Lösungen für die größten Probleme unseres Planeten

28. November 2008, 18:37
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John Beddington ist oberster wissenschaftlicher Berater der britischen Regierung - bei seinem Wien-Besuch skizzierte der Forscher die riesigen Herausforderungen, vor denen wir in den nächsten Jahren stehen werden

Wien - "Wenn ich kein Optimist wäre, würde ich diesen Job nicht machen", sagt John Beddington. Sein Job ist einer, den es in Österreich leider nicht gibt: Der angesehene Populationsbiologe ist nämlich Chief Scientific Adviser des britischen Parlaments. Als solcher berät er den britischen Premierminister und sein Kabinett höchstpersönlich in Sachen Wissenschaft und Technologie.

Was der politisch wichtigste Forscher Großbritanniens bei Vorträgen am Donnerstag und Freitag in Wien sagte, klang indes durchaus pessimistisch. Bei der Koopmans Lecture des Internationalen Instituts für Systemanalyse (IIASA) am Freitag skizzierte Beddington die großen globalen Probleme der nächsten Jahrzehnte - und die muten gewaltig an.

Für einen Populationsbiologen beginnen die Herausforderungen bei der Bevölkerung. Zurzeit kommt auf unserem Planeten alle fünf Wochen die Bevölkerung Österreichs dazu, also acht Millionen. 2030 werden wir demnach neun Milliarden Erdenbewohner haben, die - und das ist eine zumindest halbwegs gute Nachricht - zu einem weniger großen Teil in völliger Armut leben werden.

Heute sind es nämlich 1,1 Milliarden Menschen, die mit weniger als 60 Cent pro Tag auskommen müssen. Und knapp eine Milliarde ist unterernährt.

Dramatisch steigender Bedarf

Nach allen wissenschaftlichen Modellrechnungen bedeuten diese Entwicklungen, so Beddington, dass sich in den nächsten 22 Jahren der Bedarf an Nahrung weltweit um 50 Prozent erhöhen wird, der an Energie um mehr als 45 Prozent und der an Wasser um immerhin 30 Prozent. Doch woher nehmen und nicht stehlen - oder besser: ohne weiter massiv zum Klimawandel beizutragen?

In dem Punkt wurde der wissenschaftliche Chefberater, der bis Ende 2007 als Professor am Imperial College in London lehrte, dann besonders ernst: "Die pessimistischsten Klimaprognosen der vergangenen Jahre waren immer noch zu optimistisch im Vergleich zu dem, was wir heute über die Dramatik des Klimawandels wissen."

Angesichts dieser dramatischen Entwicklungen sieht Beddington gewaltige Herausforderungen auch auf die Forschung zukommen. Und die müsse trotz der Finanzkrise weiter unterstützt werden, wie er am Donnerstag bei einer Diskussion in der britischen Botschaft betonte. "Lösungen der großen Probleme sind in erster Linie von der Erfindungskraft zu erwarten.

In Energiefragen plädierte er für eine weitere Unterstützung der Fusionsforschung, die sichtbare Fortschritte mache, vor allem aber für Methoden, Kohlendioxid der Luft zu entziehen und zu speichern. Bei der Nahrungsproduktion plädierte Beddington für den Einsatz des neuesten biotechnologischen Wissens. "Was nicht gleich genetisch veränderte Pflanzen heißen muss", so Beddington. Aber ganz ohne werde es auch nicht gehen, um den Hunger der Welt einzudämmen.

Schließlich sei es aber auch wichtig, all diese Erkenntnisse besser als bisher der Politik zu kommunizieren. Österreichische Politiker wurden bei Beddingtons Vorträgen übrigens nicht gesichtet. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.11.2008)

  • "Die pessimistischsten Klimaprognosen der vergangenen Jahre waren immer noch optimistisch", Chefberater John Beddington.
    foto: regine hendrich

    "Die pessimistischsten Klimaprognosen der vergangenen Jahre waren immer noch optimistisch", Chefberater John Beddington.

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