Finanzieller Absturz macht Soforthilfe notwendig

28. November 2008, 17:38
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Die AUA kann wegen des Geschäftseinbruchs nicht mehr auf den Vertragsabschluss mit der Lufthansa warten. Die ÖIAG macht deshalb einen Vorgriff auf den 500-Millionen-Zuschuss

Wien - Die Aufsichtsräte der AUA schwitzen derzeit ordentlich. Sollte trotz des für kommenden Freitag geplanten Verkaufs der Fluglinie an die Lufthansa etwas dazwischen kommen, wollen sie wissen, was dem Unternehmen blüht. "Sie machen sich Sorgen um ihre Haftung", meinte ein Eingeweihter. Weshalb sie überraschend am Donnerstag zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zusammenfanden.

Dort präsentierte ihnen AUA-Chef Alfred Ötsch nicht nur ein dramatisches Sanierungsszenario, das unter Plan B läuft, sondern auch den finanziellen Zustand der Airline. Kurz ausgedrückt: Ein massiver Rückgang der Verkehrszahlen im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise beeinträchtigt die Liquidität des Unternehmens dermaßen, dass man mit der geplanten Staatshilfe nicht mehr auf den Vertragsabschluss (Closing) und die Genehmigung der Übernahme durch die Lufthansa warten könne. Letztere werde erst nach einer vertieften Prüfung der EU-Kommission erfolgen, die vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen dürfte. Dazu kommen massive Abschreibungen auf die Flotte, die am Eigenkapital zehren (siehe Artikel).

Folge: Der Haupteigentümer, die Staatsholding ÖIAG, wird einen Teil der für Frühjahr geplanten Kapitalerhöhung von 500 Mio. Euro noch heuer vorwegnehmen müssen. In Form einer "Überbrückungshilfe" , die dann auf die Kapitalspritze angerechnet werde, wie die AUA am Freitagnachmittag bestätigte. Der Zuschuss, der rund 100 Mio. Euro ausmachen dürfte, soll überdies marktkonform verzinst werden.

EU positiv gestimmt

Brüssel werde dieser Rettungshilfe zustimmen, hoffen Fluglinie und Staatsholding. Im Unterschied zu einer Restrukturierungsbeihilfe muss bei der Notstützung kein langwieriges Verfahren durchlaufen werden. Dafür ist die Geldspritze auf sechs Monate befristet und muss auch zurückgezahlt werden. Doch nach einem halben Jahr sollte dann das Okay für die halbe Staatsmilliarde ohnehin da sein. Die Chance für den Sanktus aus Brüssel dürften gut stehen, ist dort zu hören. Die AUA erhält nämlich erstmals Hilfe, die Einmaligkeit von Staatszuschüssen gilt als wichtiges Kriterium für eine Genehmigung.

Probleme könnte es dennoch geben: die Proteste der Air France/KLM wegen angeblicher Benachteiligung im Bieterverfahren. Die Franzosen wurden aus der Privatisierung ausgeschlossen, weil sie kein verbindliches Angebot legten. Allerdings haben sich die Kriterien inzwischen geändert, weil eben die Staatshilfe beschlossen wurde und der österreichische Kernaktionär (25 Prozent) als Bedingung wegfiel. Das wird nicht nur von den unterlegenen Bietern als Verletzung der Transparenzgebote gesehen.

Sollte es also doch zu Problemen kommen, muss die AUA dramatisch sanieren. Das hieße in einem ersten Schritt: Einstellung der Langstrecke, Stilllegung oder Verkauf der betroffenen Flugzeuge. Damit verbunden wäre auch die Redimensionierung der Kurz- und Mittelstrecke, die als Zubringer fungieren. Insider rechnen damit, dass die AUA dann 2500 von 8000 Mitarbeitern abbauen müsste. (Claudia Ruff, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

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    Die Wartungsarbeiten an der Finanzstruktur der Austrian Airlines müssen schnell vonstattengehen, sonst müsste die AUA radikale Sanierungsschritte mit massivem Jobabbau einleiten.

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