Empörung über Exekution Wo Weihans

28. November 2008, 18:49
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Peking ignorierte Gnadenappelle Wiens und der EU - Außenministerin Ursula Plassnik: "Vorsätzlicher Affront"

Peking/Wien - China hat am Freitag ungeachtet zahlreicher Gnadenappelle aus Österreich und der EU den wegen Spionage für Taiwan zum Tode verurteilten Geschäftsmann Wo Weihan (60) hinrichten lassen. Ihm wurde vorgeworfen, "Staatsgeheimnisse" verkauft zu haben. Wo hatte von 1990 bis 1997 in Österreich gelebt. Seine Töchter Ran und Di Chen sind österreichische Staatsbürgerinnen.

Zeitpunkt und Umstände der Exekution legen einen Zusammenhang mit der Verstimmung zwischen China und der EU nahe. Peking hatte am Mittwoch den für kommenden Montag in Lyon geplanten EU-China-Gipfel abgesagt. Als Grund werden Pläne des französischen Präsidenten und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Nicolas Sarkozy vermutet, den Dalai Lama am 6. Dezember in Polen bei einer Zusammenkunft von Friedensnobelpreisträgern zu treffen.

Die Hinrichtung erfolgte am Tag des Menschenrechtsdialogs zwischen der EU und China. Dies müsse aus Sicht der gesamten EU als "vorsätzlicher Affront" angesehen werden, erklärte Außenministerin Ursula Plassnik. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sprach von einer "besonders provokanten Geste". Plassnik und Prammer hatten sich wie Bundespräsident Heinz Fischer, die EU-Kommission und der französische EU-Ratsvorsitz für Wos Begnadigung eingesetzt. Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel verurteilte als außenpolitischer Sprecher der ÖVP-Nationalratsfraktion das Vorgehen der chinesischen Behörden "scharf".

Nach Angaben von Ran und Di Chen wurde Wo am Freitagmorgen durch Erschießen hingerichtet. Die Töchter wurden, wie sie am Freitag erklärten, bis zuletzt über das Schicksal ihres Vaters im Unklaren gelassen und konnten sich nicht mehr von ihm verabschieden. Sie hatten Wo noch am Donnerstag in einem Gericht in Peking getroffen und dabei keinerlei Hinweise auf eine bevorstehende Hinrichtung erhalten. Erst am Freitagnachmittag erfuhren sie über die österreichische Botschaft von der erfolgten Exekution. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.11.2008)

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    Wo Weihan mit Ran Chen, einer seiner beiden Töchter, die österreichische Staatsbürgerinnen sind, bei ihrer Hochzeit 2004 in Innsbruck.

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