Kopf des Tages: Sondhi Limthonkhul macht Opposition

27. November 2008, 20:26
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Ein Tycoon mit Hang zu schwarzer Magie

Der Mann ist das Herz der "Volksallianz für Demokratie". Er wird nicht müde, seine Anhänger in Bangkok zu motivieren. Tausende sitzen ihm im Park des belagerten Regierungspalasts zu Füßen, lauschen Stunden um Stunden, wie sich seine Stimme am Mikrofon überschlägt. Er ruft unermüdlich: "Vernichtet die Regierung, vernichtet unsere Feinde, vernichtet Thaksin Shinawatra".

Das ist die Formel, auf die Sondhi Limthonkhul, der joviale Anführer eines bunten Oppositionsbündnisses, sich und seine Anhänger seit Monaten einschwört. Sie hat ihn weit gebracht. Thailand steht am Rande des politischen Kollapses.

Mit jenem Mann, den er heute unerbittlich bekämpft, war er einst eng verbunden. Sondhi ist ebenso wie Thaksin Shinawatra ein Selfmade-Millionär. Beide haben sich ein Imperium geschaffen. Sondhi gründete ein Zeitungsimperium, unterhielt Talkshows, expandierte ins Fernsehgeschäft. Seines Senders ASTV bedient er sich heute bei seinen Kampagnen für die "Volksallianz" ungeniert als Propagandainstrument. Thaksin stieg groß in die Telekommunikation ein. Die beiden profitierten voneinander, bis der eine, Thaksin, in die Politik einstieg und Sondhi 1997 in der Asienkrise sein Unternehmen nach waghalsigen Geschäften vor dem Bankrott sah. Die erhoffte Hilfe von Thaksin blieb aus. Ihre Wege trennten sich, und Sondhi begann, gegen den Premier zu mobilisieren. Mit Erfolg - Thaksin wurde vom Militär 2006 aus dem Amt gejagt.

Doch nicht genug der Rache für Sondhi Limthonkhul. Als die Thaksin-Partei bei späteren Wahlen einen fulminanten Sieg davontrug, nahm er seinen Kampf wieder auf. Dieses Mal fährt der Mann mit Igelfrisur und Vorliebe für Gauloises-Zigaretten die totale Eskalationsstrategie. Sein Ziel ist es, den 20. Militärputsch des Landes zu provozieren, um sich als politischer Funktionsträger zu positionieren; bereit, die Verfassung dahingehend zu ändern, dass künftig nicht mehr das Wahlvolk entscheidet, sondern eine kleine ernannte Elite. Eine "neue Politik" verfolge er - im Namen der Demokratie, versteht sich.

Die Vorfahren des 61-Jährigen stammen aus China. Er studierte in den USA Geschichte und arbeitet dort als Reporter. Zurückgekehrt nach Thailand, machte er seinen Weg im Journalismus und begriff, wie Macht funktioniert. Woher er seinen Hang zu Okkultismus hat, ist nicht bekannt. Er scheint ihn aber wirkungsvoll einzusetzen, denn mit Riten der schwarzen Magie pflegt er seine Anhänger auf Großes einzustimmen. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2008)

 

 

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