Österreich: Strafaufschläge für steigendes Risiko

27. November 2008, 19:39
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Die Kosten für die Versicherung gegen einen Staatsbankrott schnellen in die Höhe, die enge Verflechtung mit Osteuropa wird auch in größeren Zinsabständen spürbar

Wien - Einst wurde die Expansion der österreichischen Wirtschaft in den Osten von den Märkten bejubelt, seit es jenseits des Neusiedler Sees kriselt, setzt es Hiebe. Vor allem das hohe Kreditengagement der Banken wird von Ratingagenturen und Investoren als Gefahr betrachtet. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hängen die Geldinstitute mit einem Obligo von 300 Milliarden Dollar in der Region.

Seit Ungarn und die Ukraine auf internationale Hilfe angewiesen sind, und es auch im Baltikum und in einigen Balkan-Staaten rumort (siehe Länderübersichten unten), werden die Risiken für Österreich immer höher eingestuft. Das ist beispielsweise am höheren Zinsabstand zu Deutschland ersichtlich: Während die Bundesrepublik für zehnjährige Staatsanleihen 3,27 Prozent Verzinsung auf den Tisch legen muss, verlangen Investoren von der Alpenrepublik bereits 3,91 Prozent. Die Schere ist in den letzten Monaten deutlich aufgegangen.

Kein österreichisches Phänomen

Allerdings ist das kein österreichisches Phänomen: In Italien, Griechenland oder Spanien sind die Risikoaufschläge (Spreads) zu Deutschland weit höher. Berlin gilt als Hort der Stabilität und zudem als besonders liquider Markt.

Dass Österreichs Ostengagement eine Rolle spielt, zeigt aber ein anderer Indikator. Die Kosten für die Versicherung gegen einen Ausfall von Staatsanleihen sind seit September rasant gestiegen, in den letzten zwei Wochen legte die entsprechenden Papiere (Credit Default Swaps, CDS) noch einmal um 50 Prozent zu. In der Praxis heißt das: Wer sich gegen eine Zahlungsunfähigkeit bei fünfjährigen Staatsanleihen im Volumen von einer Mio. Euro absichern will, muss dafür heute mehr als 12.000 Euro jährlich bezahlen.

Experten verweisen darauf, dass die CDS derzeit keine echten Marktpreise widerspiegeln, weil kaum Handel stattfinde. Die Kursausschläge sind daher extrem. In Bankenkreisen wird darauf verwiesen, dass die Konjunktur in Osteuropa immer noch weit besser laufe als im Westen. Und: "Die österreichischen Geldhäuser sind vor allem im Kundengeschäft tätig. Die fallen nicht alle auf einmal aus", so Heinz Bednar, Geschäftsführer der Erste Sparinvest.

Hohe Versicherungskosten

Der Anleihenexperte der Fondsgesellschaft, Gerhard Beulig, bestätigt, dass die hohen Versicherungskosten von Osteuropa herrühren. Das werde anhand der Wert vergleichbarer Länder wie Belgien oder der Niederlande ersichtlich, wo die CDS mit 60 bis 70 auf rund der Hälfte der Österreich-Marke notieren. Deutschland ist mit 50 Punkten auch in dieser Liga der Stabilitätsanker Europas. Selbst der Schuldenkaiser der Union, Italien, liegt mit 140 Zählern nicht viel schlechter als Österreich.

Die Finanzkrise testet die osteuropäischen Länder (und damit indirekt auch Österreich) außerdem auf einem weiteren Feld: jenem der Währungsmärkte. Unter Druck sind dabei vor allem jene Länder, die sich zu relativ fixen Wechselkursen im Vergleich zum Euro verpflichtet haben, um damit einem Beitritt zum gemeinsamen Währungssystem entgegen zu arbeiten. In Osteuropa sind das die drei baltischen Staaten sowie die Slowakei (die am 1. Jänner den Euro bereits einführen wird).

Druck auf mehrfache Art

Der Druck baut sich dabei auf mehrfache Art auf, so die Experten des WIIW: Erstens durch die hohe Verschuldung in Fremdwährungen im Land. Jede Abwertung (plus/minus 15 Prozent "Floating" sind erlaubt) macht die Rückzahlung der Kredite teurer. Sollte sich die Erwartung aufbauen, dass der private Sektor deswegen in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten kommt, könnte das wiederum eine Kapitalflucht aus jenen Ländern auslösen. Eine solche Flucht aus der jeweiligen Währung müsste von der lokalen Notenbank aufgefangen werden, um eine weitere Abwertung zu verhindern.

Ein Beispiel: Wenn also zum Beispiel ein russischer Investor in Lettland seine Lat-Bestände in Euro umwandeln wollte, müsste die Latvijas Banka in letzter Konsequenz ihm den Bestand abkaufen.Hier könnten dann Währungsspekulanten ins Spiel kommen, die auf einen fallenden Lat wetten. Sie könnten dermaßen viele Lat-Bestände auf den Markt werfen versuchen, dass der Notenbank die Substanz ausgeht, weil die Devisenreserven ausgehen. Eine Gegenmaßnahme müsste auch sein, die Leitzinsen deutlich anzuheben, um die Landeswährung attraktiver zu machen - was aber wiederum die Konjunktur abwürgt. (Andreas Schnauder Leo Szemeliker, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.11.2008)

 

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