Hohe Verschuldung peinigt Ungarn

27. November 2008, 19:22
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Nicht nur der Staat ist mit 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hoch verschuldet, auch auf die Bevölkerung trifft das zu

Budapest - Als vor einer Woche der Wirtschaftssprecher des oppositionellen rechten Fidesz die Frage stellte, was Ungarns sozialistische Regierung mit dem Geld aus dem 20-Mrd.-Euro-Kredit von IWF und EU anzufangen gedenke, rief ein sozialistischer Abgeordneter: "Wir versaufen's!" und sprach damit eine tiefere Wahrheit an. Zwischen 2000 und 2006 hatten sich ungarische Regierungen tatsächlich so verhalten wie jemand, der Geld aus dem Fenster wirft.

Nicht nur der Staat ist mit 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hoch verschuldet, auch auf die ungarische Bevölkerung trifft das zu. Zusätzlich zu den recht großzügigen sozialen Transferleistungen genoss man die von den Banken - etliche davon in österreichischem Besitz - angebotenen, niedrig verzinsten Kredite in Franken oder Yen.

Damit erwies sich Ungarn in der Krise als das verwundbarste Land der EU. Plötzlich wollte jeder jene ungarischen Staatsanleihen unverzüglich abstoßen, mit denen das Land seine Schulden finanziert. Zu der Rettungsaktion von IWF und EU wäre es wohl nicht gekommen, wäre Ungarn nicht so stark in den europäischen Wirtschaftskreislauf integriert, dass ein Staatskonkurs auch Firmen und Banken in der Alt-EU, darunter Österreich, extreme Schmerzen zugefügt hätte. (gma, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.11.2008)

 

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