Krise bringt Stillstand in Serbien

27. November 2008, 19:09
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Wegen Geldmangels, teurer Auslandskredite und der totalen Privatisierungsflaute steht in der Wirtschaft alles still

Belgrad - Wie ist heute der Devisenkurs? Mit diesem Gedanken stehen dieser Tage die Bürger Serbiens bangend auf, vor allem jene, die an den Euro oder den Schweizer Franken gebundene Kredite haben. Denn Devisen werden immer teurer: Noch im August konnte man einen Euro für 75,7 Dinar kaufen, Ende November ist der Euro schon 88,7 Dinar wert. Und steigt täglich, obwohl die Notenbank schon 470 Mio. Euro aus den Devisenreserven verkauft hat, um den Absturz der Währung abzufangen.

Kein Experte wagt vorauszusagen, wo der Dinar landen wird, Preise und Kreditraten wachsen viel schneller als die Einkommen, der Lebensstandard sinkt spürbar. Österreichische Banken sind Marktführer in Serbien, die Geschäfte mit hohen Zinsen für die nach Kriegen und internationaler Isolation Kredithungrigen Bürger sind aber gar nicht mehr so lustig. Aus Not, aber auch um sich beliebt zu machen, bieten Raiffeisen und Hypo Alpe Adria ihren Kunden an, kostenlos vom Franken in den Euro oder Dinar zu wechseln, die Frist zu verlängern, oder Kredite vorzeitig abzuzahlen.

Wegen Geldmangels, teurer Auslandskredite und der totalen Privatisierungsflaute steht in der Wirtschaft alles still. Und wie der Staatshaushalt 2009 aufgestellt werden soll, bleibt schleierhaft. (iva, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.11.2008)

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