Ausgezeichnete Thiomer-Nanopartikel

27. November 2008, 20:00
posten

"nanoRESEARCH"-Award geht an Forschung zum zielgenauen Transport von Medikamenten - austrian nano award in vier Kategorien vergeben

Innsbruck/Wien - Einen zielgenauen Transport von medizinischen Wirkstoffen in den Körper sowie ihre bessere Wirksamkeit streben Innsbrucker Forscher mit "thiolisierten" Nanopartikeln an. Die maßgeschneiderten Polymere im Kleinstformat versprechen - als Lastenträger eingesetzt - große Fortschritte beim Medikamententransport durch Nase oder Magen-Darm-Trakt. Für seine Grundlagenforschung erhielt Andreas Bernkop-Schnürch vom Institut für Pharmazie der Universität Innsbruck am Donnerstagabend in Wien den erstmals verliehenen und mit 20.000 Euro dotierten "nanoRESEARCH"-Award des Infrastrukturministeriums.

Modifizierung

Thiomere haben Bernkop-Schnürch und sein Team als "eine neue Generation der Polymere" schon vor Jahren entwickelt. Die aus vielen einzelnen Bausteinen (Monomeren) bestehenden Makromoleküle wurden mit schwefelhaltigen Thiolgruppen modifiziert. Damit verändern sich die Eigenschaften der Polymere. Die als Träger der Wirkstoffe eingesetzten Makromoleküle können zum Beispiel besser an Schleimhäuten haften. So rinnen etwa derzeit gebräuchliche Nasensprays teilweise wieder aus der Nase heraus, "die neuen Polymere haften an der Schleimhaut", so der Abteilungsleiter der Pharmazeutischen Technologie an der Uni Innsbruck und Gründer des Spin-off-Unternehmens ThioMatrix. Auf Basis der Thiomer-Technologie entwickelte Sprays könnten damit künftig auch in größeren Mengen verabreicht werden. Über die Nase könnten zudem ganz andere Wirkstoffe eingenommen werden. Ein Fernziel ist der Einsatz der Thiomere für Behandlungen mit Zytostatika, etwa in der Krebstherapie.

Nun verarbeiteten die Forscher die thiolisierten Polymere zu Nanopartikeln weiter. War Bernkop-Schnürch nach eigenen Worten zuvor der Nanotechnologie (ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters) gegenüber skeptisch, "glaube ich mittlerweile felsenfest an die Nanotechnologie". Mit ihr konnten die Forscher das Potenzial ihrer Thiomere noch einmal erheblich steigern: "Es sind weitere interessante Türen aufgegangen."

Einsatzbereiche

Durch den Einsatz von Thiomer-Nanopartikeln kann die Verweilzeit von Wirkstoffen im Magen-Darm-Trakt deutlich verlängert werden. Mit der besseren Haftung etwa im Dünndarm wird laut Bernkop-Schnürch auch "eine orale Verabreichung von Insulin möglich". An der Nanopartikel-Tablette gegen Diabetes arbeiten die Forscher, "wir befinden uns hier im Endstadium der präklinischen Studien".

Mit Hilfe der Thiomer-Nanopartikel können die Wirkstoffe aber auch Membranen besser durchdringen - noch besser als mit den ursprünglichen Thiomeren bereits möglich war. Mit seiner Thiomerforschung schaffte es Bernkop-Schnürch, global im Bereich der Pharmazeutischen Technologie zu den drei meistzitierten Autoren zu zählen. "Weltweit arbeiten nun bereits viele Arbeitsgruppe an Thiomeren", so der Forscher. Man müsse da schauen, "dass man nicht rechts oder links überholt wird". Mit den Thiomer-Nanopartikeln "haben wir ein Jahr die Nase vorn".

Weitere PreisträgerInnen

Neben der Auszeichnung im Bereich der Nano-Grundlagenforschung gab es weitere Prämierte: Den ebenfalls mit 20.000 Euro dotieren Award für anwendungsorientierte Forschung in der Kategorie "nanoBUSINESS" erhielt der Bergbauwissenschafter Martin Kathrein. Er entwickelte mit seiner Arbeitsgruppe der Ceratizit Austria eine extrem harte Nano-Oberflächenbeschichtung für Werkzeuge, die sich zudem an die jeweiligen Werkstoffe anpassen kann.

Die Kategorie "nanoSOCIETY" für Arbeiten zu Nanowissenschaften und Gesellschaft (ebenfalls 20.000 Euro) gewann Katja Lamprecht vom Umweltbundesamt: Ausgezeichnet wurde ihr eingereichtes Projekt über den gesellschaftlichen Dialog zur Nanotechnologie im Rahmen der Initiative Risiko:dialog, die von Radio Ö1 und dem Umweltbundesamt ins Leben gerufen wurde.

Sonderpreise

Die vier Sonderpreise in der Kategorie "nanoYOUTH" (jeweils 5.000 Euro) gingen an die Nachwuchsforscher Evelin Fisslthaler (Technische Universität Graz), Michael Kitzmantel (TU Wien), Iris Bergmair (Profactor) gemeinsam mit Elisabeth Lausecker (Uni Linz) sowie Alexander Riss (TU Wien). (APA)

  • Die Award Trophy, ein nanobeschichtetes Kunstwerk, wurde von der Künstlerin Deborah Sengl in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsunternehmen Attophotonics entwickelt.
    foto: austrian nano award

    Die Award Trophy, ein nanobeschichtetes Kunstwerk, wurde von der Künstlerin Deborah Sengl in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsunternehmen Attophotonics entwickelt.

Share if you care.