CSI in der Wiener Bankgasse

27. November 2008, 17:41
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Fortbestandsanalyse und forensische Prüfung rund um Immofinanz und Constantia

Wien - Unternehmen rund um Immofinanz, Immoeast und Constantia Privatbank (CPB) sind bald die bestdurchleuchteten im Lande. Neben Staatsanwaltschaft und Wirtschaftspolizei, der auch Ex-Vorstandsdirektor Karl Petrikovics Rede und Antwort steht, laufen interne Prüfungen, wirtschaftliche wie rechtliche Evaluationen.
Im Mittelpunkt steht die Erarbeitung einer Fortbestandsprognose und eines Liquiditätsplanes durch die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers (PwC), die die Immofinanz in Auftrag gegeben hat. Parallel laufen forensische Untersuchungen: Mit wissenschaftlichen Methoden à la CSI durchforsten Experten die gesamte IT und sämtliche Geldflüsse der Gruppe; man nennt das auch Betrugsprüfung. Auch Roland Berger ist aktiv; die Unternehmensberater erarbeiten eine mittelfristige Strategie.

Heikle Untersuchung

Die heikle forensische Untersuchung wird von Deloitte&Touche geleitet - ursprünglich sollte das die Expertengruppe unter PwC-Partnerin Christine Catasta tun. Catasta, so Banker, leite nun jene Gruppe, die die Fortbestandsanalyse erstellt. Das wäre delikat, ist die 50-Jährige doch Schwägerin von Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics, weil eine Schwester von dessen Ehefrau. Catasta bestreitet freilich jede Art von Mitwirkung in der Causa Immofinanz.
Noch offen ist die Nachfolge von Petrikovics als Aufsichtsratschef der Bundesimmobiliengesellschaft BIG. Ursprünglich sollte ihm Wirtschaftstreuhänder Gerhard Nidetzky folgen, nun wird Rechtsanwältin Theresa Jordis favorisiert. Jordis ist enge Vertraute von Immofinanz-Aufsichtsratmitglied Guido Schmidt-Chiari und leitet dessen Stephanie Privatstiftung.

Buwog-Verkauf

Beim angedachten Verkauf der Buwog könnte die Immofinanz auf Probleme stoßen: Die Wohnbaugesellschaft soll von Mutter Immofinanz recht "ausgeräumt" worden sein; und sie wurde stark aufgewertet. Bei einem Kaufpreis von rund 450 Millionen Euro hat die Immofinanz die Buwog jetzt mit 1,3 Milliarden Euro in den Büchern. (Renate Graber, Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.11.2008)

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