Marek: "Ein ungutes Bauchgefühl ist bei manchen da"

27. November 2008, 17:40
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Mehr Wahlmöglichkeiten, kein "undurchschaubarer Dschungel" - so stellt sich Familienstaatssekretärin Christine Marek das Kindergeld vor - Ein STANDARD-Interview

STANDARD: Wie sehr hat es Ihre politische Arbeit geprägt, dass Sie Alleinerziehern sind?

Marek: Ich konnte ab 1993 drei Jahre zu Hause bleiben und habe das genossen. Ich hatte auch keine Probleme beim Wiedereinstieg, aber ich war in der Karenz extrem aktiv, und das ist genau der Knackpunkt: Frauen müssen auch in der Babypause Kontakt zum Unternehmen halten. Auch der Kinderbetreuungsplatz war für mich extrem wichtig. Hätte es damals schon flexible Kombinationsmöglichkeiten gegeben, hätte ich sie sicher in Anspruch genommen. Mein Maxi war oft der letzte im Kindergarten, und ich bin mit heraushängender Zunge hingekommen um ihn abzuholen. Für die politische Arbeit habe ich gelernt: Geht nicht, gibt's nicht.

STANDARD: Das letzte Kindergartenjahr ist in Zukunft gratis, aber nur vormittags. Ist das ausbaufähig?

Marek: Ich glaube, das ist schon okay so. Es muss nicht alles gratis sein, es kann ruhig einen vertretbaren Elternbeitrag geben. Mit der steuerlichen Absetzbarkeit von Kinderbetreuung sind wir einen guten Schritt weitergekommen.

STANDARD:: Die Kinderbetreuung war schon in der letzten Regierung ein zentrales (Streit-)Thema. Gibt es da zwischen Ihnen und der SPÖ noch Auffassungsunterschiede?

Marek: Nein. Wir müssen beim Ausbau und der Qualität etwas tun, gemeinsam mit den Ländern und den Gemeinden. Da haben wir uns bei den Regierungsverhandlungen relativ schnell gefunden.

STANDARD: Wie ist das ÖVP-intern?

Marek: Es gibt vereinzelt Parteikollegen die sagen, Frauen sollen die Betreuung zu Hause übernehmen. Aber das ist nicht mehr der Mainstream.

STANDARD: Zum Regierungsprogramm: Von einem konkreten Papamonat steht nichts drinnen, dafür ist von „Väterbeteiligung" die Rede ...

Marek: Genau das ist der Knackpunkt. Uns geht es um nachhaltige Väterbeteiligung, solange die Kinder ihre Eltern brauchen. Da sind die ersten Wochen nur ein kleiner Puzzlestein. Auch beim Pflegeurlaub müssen wir etwas tun: Wenn Eltern nach der Scheidung gemeinsam die Obsorge übernehmen, dann soll das auch so sein, wenn die Kinder krank sind. Unmittelbar nach der Geburt haben wir ein paar Varianten diskutiert, zum Beispiel, den Kindergeldbezug vorzuziehen. Oder man "schenkt" dem Vater zusätzlich zu seinem Urlaub ein, zwei freie Wochen, die die öffentliche Hand finanziert.

STANDARD: Wann wird es das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld in Österreich geben?

Marek: Ab 1. Jänner 2010, das habe ich mir fest vorgenommen. Es wird mehr Wahlmöglichkeiten geben, aber keinen undurchschaubaren Dschungel.

STANDARD: Ein anderes familienpolitisches Thema verfolgt die ÖVP seit langem, nämlich die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle.

Marek: Ich war immer dafür, Diskriminierungen abzustellen. Aber ich sehe bei uns, dass manche sich das noch nicht so ganz vorstellen können. Für die ÖVP haben wir einen Quantensprung gemacht: Es steht außer Streit, dass es ein Rechtsinstrument geben wird, das ist kurz vor dem Fertigwerden.

STANDARD: Aber warum gibt es dann Diskussionen darüber, ob Homosexuelle diese Partnerschaft am Standesamt eingehen sollen?

Marek: Weil es die große Sorge gibt, dass die Ehe zwischen Mann und Frau abgewertet wird. Das ist ein hochemotionales Thema, und das muss man berücksichtigen und langsamer gehen. Ich bin überzeugt, dass man da für alle Seiten einen tragbaren Kompromiss finden wird. Ich gehe davon aus, dass es nicht beim Notar sein wird.

STANDARD: Aber es wird bald eine eingetragene Partnerschaft geben.

Marek: Ja, endlich.

STANDARD: Am Freitag soll Josef Pröll zum ÖVP-Chef gewählt werden. Haben Sie Verständnis für die parteiinternen Kritiker, die die große Koalition nicht wollen?

Marek: Ja. Das hat auch mit dem Bild zu tun, das wir in den letzten zwei Jahren vermittelt haben. Das ist tief drinnen, das kann man nicht einfach so abhaken. Ich finde dass die extremen Vorbehalte weniger geworden sind, auch wenn bei manchen noch ein ungutes Bauchgefühl da ist. Die Pragmatiker wissen, dass die Alternativen nicht ernsthaft vorhanden sind, und dass die momentane Situation bedeutet: gemeinsam arbeiten und die Krise bewältigen.

STANDARD: Welchen Stellenwert messen Sie Prölls Wahlergebnis bei?

Marek: Der Josef hat am 29. September gesagt Ja, ich mach's. Ich glaube nicht, dass er sich damals der gesamten Dimension bewusst war, Gott sei Dank (lacht). Aber er ist bereit, das mit allen Konsequenzen zu machen, und es wird gut werden. Er hat die Chance loszustarten - ob mit 60, 70, 80 oder mehr Prozent Zustimmung, da ist jetzt nichts hineinzuinterpretieren. In vier Jahren tritt er wieder an - dann ist das Ergebnis aussagekräftig. (Andrea Heigl, DER STANDARD-Printausgabe, 28. November 2008)

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    foto: standard/hendrich

    "Ich war immer dafür, Diskriminierungen abzustellen. Aber ich sehe bei uns, dass manche sich das noch nicht so ganz vorstellen können" - Marek über die ÖVP und die Homo-Ehe

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