Das Gute im Fernsehen

27. November 2008, 17:21
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Die Verwandlung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in ein Unterhaltungsinstitut wird selten so spürbar unterbrochen wie von der vorweihnachtlichen Spendensammlerei

Endlich ist "Licht ins Dunkel" zurück! Die Verwandlung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in ein Soaps und Talkshows abspulendes Unterhaltungsinstitut wird selten so spürbar unterbrochen wie von der vorweihnachtlichen Spendensammlerei.
"Licht ins Dunkel" mag jedes Jahr dasselbe sein, mit Peter Rapp zwischen telefonierenden Promis und freundlichen Worten des Bundespräsidenten. Damit wird dem ORF aber ideeller Wert und praktischer Nutzen verliehen: 789.860 Euro Spenden am Mittwoch.

Kein Zweifel: Österreichischer kann es nicht mehr werden. Man könnte unterstellen, dass sich die Volksseele damit von Alltagsrassismus und Wohlstandsschuldgefühlen freizukaufen versucht - was aber egal wäre, solange die Spenden bei den richtigen Leuten landen.

Apropos Weltverbesserung: Freitagabend kommt auf 3sat die Doku "Menschenrechtsstädte dieser Welt", in der auch die Grazer Vinzenzgesellschaft vorgestellt wird, die sich um die bettelnden Roma in der Stadt kümmert. Die Doku fängt in der Aufklärung über Menschenrechte bei null an und erklärt, dass das Gute im Kleinen seinen Anfang nehmen muss. Keine hochqualitative Doku, aber die "Promi-Millionenshow" vom Mittwoch auf ORF hätte sie geschlagen. Dort wurde nämlich geschummelt: Es gab gar keine Promis, sondern bloß Marc Pircher, Maggie Entenfellner und Gregor Seberg. Nur der starke Mann Matthias Steiner hob das Niveau ein bisschen.

Auf alle Fälle sollte es im ORF Humanitarian Broadcasting, wie "Aktion Mensch" im ZDF, das ganze Jahr über geben. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 28.11.2008)

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