Nachhaltiges Handeln messbar gemacht

27. November 2008, 16:00
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Der Fragenkatalog basiert auf jenen Werten, die von der UNO als zentral für nachhaltige Entwicklung definiert wurden

Jena - Ein neues Messinstrument kann feststellen, in welchem Ausmaß eine Person über Werte verfügt, die sie zu nachhaltigem Handeln motivieren. Holger Patzelt vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik entwickelte mit Kollegen der Indiana University einen entsprechenden Fragenkatalog, der im "Journal of Economic Psychology" veröffentlicht wurde. Der Katalog bricht Werte, auf die sich nachhaltiges Verhalten stützt, auf bestimmte Problemsituationen herunter und veranschaulicht als Ergebnis die individuelle Veranlagung auf einer Skala zwischen eins und sieben. "Neben der Sozialwissenschaft kann davon auch etwa die gezielte Hinführung zu nachhaltigen Werten in Schulen profitieren", so Patzelt.

Fundamentale Werte

Das Konzept der Nachhaltigkeit, an der sich die Skala orientiert, stammt von der UNO. Sie definierte im Jahr 2000 im Abschluss der "Millenniums-Deklaration" sechs fundamentale Werte als zentral für nachhaltige Entwicklung: Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Toleranz, Respekt vor der Natur und geteilte Verantwortung. Für jeden Wert wurde mittels statistischer Verfahren eine Gruppe von Fragen identifiziert, die valide und reliable Aussagen über die individuelle Wertvorstellung erlauben.

Wer seine Veranlagung zur Nachhaltigkeit feststellen will, gibt seine persönliche Einschätzungen zu den Fragen auf einer Skala zwischen eins und sieben an. Zur Ermittlung des Werts "Respekt vor der Natur" wird etwa danach gefragt, wie wichtig der Naturschutz sei, wenn er in Konkurrenz zu wichtigen Entwicklungen steht, wie dringend sich das Produktions- oder Konsumverhalten verändern müsse oder in welchem Grad die Gesellschaft Verantwortung gegenüber der Umwelt trage.

Förderung von Werthaltungen

Nützen soll dieses Messinstrument in erster Linie der Sozialwissenschaft. "Es dient etwa zur Untersuchung, wie die Werte in verschiedenen Regionen oder Kulturen verteilt sind, oder wie sich Werte auf nachhaltiges Verhalten auswirken", so Patzelt. In Schulen könnten aufgrund solcher Erkenntnisse Werthaltungen gezielter gefördert werden. Die erste Anwendung findet die Skala bereits bei Patzelts eigener Forschung. "Wir untersuchen jetzt damit, welche Werte zu Engagement in nachhaltigen Geschäftsfeldern und nachhaltigen Unternehmensgründungen führen."

Ökonomie und Nachhaltigkeit

Als ein Beispiel für solches Engagement sieht Patzelt den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch gründete eine Bank für Mikrokredite, um damit zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme beizutragen. "Um den Schritt zu konkretem Verhalten zu tun, braucht es neben den Werten noch andere Voraussetzungen, etwa das Wissen um soziale Probleme oder Unternehmergeist", vermutet Patzelt. Erforscht werden solle mit Hilfe des Messinstruments auch, ob ökonomisch orientierter Unternehmergeist zu Nachhaltigkeit in Konkurrenz stehe oder ob beide Haltungen miteinander vereinbar seien. (pte/red)

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    Werte hinter nachhaltigem Handeln: Zur Ermittlung des Werts "Respekt vor der Natur" wird etwa danach gefragt, wie wichtig der Naturschutz ist. Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

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