Lufthansa steuert auf neuen Tarifkonflikt zu

27. November 2008, 15:11
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Pilotengewerkschaft intern zerstritten - Flugbegleiter fordern mehr Lohn

Frankfurt  - Kaum hat die Lufthansa die Auswirkungen der Streiks im Sommer verdaut, steuert sie auf einen neuen Tarifkonflikt zu. Diesmal gibt es Ärger an gleich mehreren Fronten. Zu den Lohnverhandlungen für die Flugbegleiter kommt ein Streit innerhalb der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Da eine rasche Einigung in beiden Fällen nicht absehbar ist, drohen der größten deutschen Fluggesellschaft ab Jahresbeginn erneut Arbeitskämpfe.

Für Dissens in der Pilotengewerkschaft sorgt vor allem der geplante Einsatz von neu bestellten Embraer-Maschinen bei der Lufthansa-Regionalflugtochter CityLine. Dieser macht neue Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen der CityLine-Piloten erforderlich, die nun eine Angleichung ihrer vergleichsweise schlechteren Lohn- und Arbeitsbedingungen an die beim Mutterkonzern fordern. Dagegen wehren sich jedoch die Lufthansa-Piloten, die einen zumindest teilweisen Verlust ihrer Privilegien befürchten. Um solche Nachteile zu verhindern, fordern hochrangige Gewerkschafter - darunter zwei Lufthansa-Aufsichtsräte und der ehemalige VC-Chef Thomas von Sturm - einen Führungswechsel bei der Gewerkschaft. Dieser soll nach ihrem Willen Mitte Jänner auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden.

Wegen der VC-internen Differenzen hat sich die Lufthansa aus den Gesprächen mit der Gewerkschaft zurückgezogen, rechnet aber mit einer weiteren Eskalation. "In der VC gibt es eine massive Auseinandersetzung", sagt Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer. "Wegen des CityLine-Themas wurde uns bereits mit Arbeitskampf gedroht." Dieser könnte sich auch auf die Lufthansa, die Frachttochter Cargo und den Billigflieger Germanwings ausweiten, bei denen zum Jahresende die Manteltarifverträge und somit die Friedenspflicht auslaufen. Allerdings ist offen, welchen Kurs die Pilotengewerkschaft dann einschlägt.

Schwierige Tarifverhandlungen

Zudem dürften der Lufthansa schwierige Tarifverhandlungen mit der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (UFO) bevorstehen. Sie hatte für das Kabinenpersonal bereits eine Lohnerhöhung ab Jahresbeginn von insgesamt 15 Prozent gefordert, Lauer bietet eine Erhöhung um lediglich 4,2 Prozent. Das entspricht dem Abschluss, den die Gewerkschaft Verdi im Sommer für das Bodenpersonal und kleine Teile der Kabinenmannschaft bereits ausgehandelt hatte. Für die Verdi-Flugbegleiter gilt der Vertrag allerdings nur, wenn auch die deutlich besser organisierte UFO zustimmt. Die erste Verhandlungsrunde mit Verdi und UFO ist für den 3. Dezember geplant.

Noch vor diesem Termin will Personalchef Lauer versuchen, größeres Übel von dem Konzern abzuwenden und alle drei Gewerkschaften zu Zugeständnissen zu bewegen. Dazu gab es ein erstes Treffen am Donnerstag. "Wir brauchen gemeinsam vereinbarte Spielregeln, etwa ein Moderations- und Schlichtungsverfahren, um Hürden vor Streiks aufzubauen", fordert Lauer. Ohne Gegenleistung des Managements dürften die Aussichten dafür aber gering sein. Verdi hat bereits deutlich gemacht, dass mit einem Entgegenkommen nicht zu rechnen ist. (APA/Reuters)

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