Die Uni als rentables Unternehmen

27. November 2008, 13:47
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Der HochschulManager des Jahres, FU-Berlin-Präsident Dieter Lenzen spricht im STANDARD-Interview über die finanzielle Zukunft der Unis

UniStandard: Sie sind kürzlich vom Centrum für Hochschulentwicklung und der Financial Times zum "Hochschulmanager des Jahres" gekürt worden. Warum?

Lenzen: In der Laudatio wurde genannt, dass es gelungen sei, die Freie Universität Berlin aus einer schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage in eine Situation zu führen, die zukunftsreich ist, etwa belegt durch den Exzellenzwettbewerb.

UniStandard: Eine Protestgruppe unter den Studierenden richtet sich gegen die Exzellenzinitiative. Wie erklären Sie sich das?

Lenzen: Es gibt Proteste kleiner Studierendengruppen, die argumentieren, dass der Exzellenzwettbewerb dazu führe, dass nicht genug Mittel für den Ausbildungsbereich bleiben. Das ist schlicht unsinnig. Der Exzellenzwettbewerb ist nicht aus Mitteln des Bildungssektors finanziert worden, sondern Bund und Länder haben das Geld zusätzlich bereitgestellt.

UniStandard: Worin liegt die Zukunft der Finanzierung der Universitäten?

Lenzen: Es gibt eine interessante Zahl, laut der über die mittlere Frist von zehn Jahren weltweit die Universitäten nur noch mit knapp 20 Prozent der Finanzierung aus staatlichen Mitteln rechnen können. Das hat viele Gründe: Der tertiäre Bereich wird immer größer und teurer und die Einnahmesituation des Staats wird sich verschlechtern. Das heißt, dass Unis versuchen müssen, sich zusätzliche Finanzierungsquellen zu suchen wie den Verkauf von Dienstleistungen und die Beschaffung von Sponsoring-Mitteln.

UniStandard: Welche Effekte könnte die Finanzkrise auf die Universitäten haben?

Lenzen: Noch ist nicht absehbar, welche Auswirkungen die Krise haben wird. Führt sie zu einer Rezession oder Depression, sinken die Steuereinnahmen, und es kann weniger Geld verteilt werden. Jede Regierung müsste sich fragen, ob sie eine Umsteuerung vornimmt, dass die Etats des Wissenschaftsbereichs zulasten anderer erhalten bleiben. Was die Drittmittel angeht, könnten technische Unis betroffen sein, wenn Auftraggeber weniger werden oder weniger Geld für Forschung haben. (Tanja Traxler/DER STANDARD Printausgabe, 27. November 2008)

Zur Person: Dieter Lenzen ist Präsident der Freien Universität Berlin. Der "Dieter Lenzen Fanclub" ist ein Satire-Blog von Studierenden, die sich gegen die 2006 an Deutschlands Unis gestartete Exzellenz-initiative richtet.

  • Lenzen: Unis müssen sich zusätzliche Finanzierungsquellen suchen.
    foto: standard/david ausserhofer

    Lenzen: Unis müssen sich zusätzliche Finanzierungsquellen suchen.

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