SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter in Mogadischu erschossen

27. November 2008, 13:43
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Ausländische Helfer sind in Somalia extrem gefährdet

Mogadischu - In Somalia ist neuerlich ein Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation Opfer der Gewalt geworden. Wie am Donnerstag in einer Aussendung von "SOS-Kinderdorf" mitgeteilt wurde, ist ein langjähriger Mitarbeiter der SOS-Klinik in Mogadischu auf dem Nachhauseweg im Auto erschossen worden.

Bewaffnete Männer hätten am Vortag mit automatischen Gewehren das Feuer auf ein ziviles Fahrzeug eröffnet, in dem sich ein Arzt und zwei Krankenpfleger der SOS-Klinik Mogadischu befanden. Der Pflegeleiter der Klinik, Abukar Adullahi Bazi, wurde dabei so schwer verletzt, dass er noch während der Fahrt ins Krankenhaus verstarb, heißt es in der Aussendung. Die SOS-Kinderdörfer wurden von dem Österreicher Hermann Gmeiner gegründet.

Bereits am 25. November sei ein Pfleger des SOS-Kinderdorfes Mogadischu in einer ähnlichen Situation verletzt worden, hieß es. Yusuf Abdullahi befand sich ebenfalls auf dem Heimweg, als er durch zwei Schüsse schwer verletzt wurde. Trotz dieser Gewaltakte sei, so heißt es in der Aussendung, nicht anzunehmen, dass es sich um geplante Aktionen gegen SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter handelt. Die gefährliche Lage in Mogadischu ließe eher den Schluss zu, "dass die Wahrscheinlichkeit, in Mogadischu unverschuldet in einen Schusswechsel zu geraten, extrem hoch ist".

24 NGO-Mitarbeiter getötet

Allein in diesem Jahr wurden bereits 24 Mitarbeiter verschiedener Hilfsorganisationen getötet worden und mehr als 100 Angriffe auf Hilfseinrichtungen verübt. Das SOS-Kinderdorf musste zuletzt vor rund einem Jahr aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Auch die Klinik musste in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder zusperren, wurde aber trotz der schwierigen Sicherheitslage immer wieder geöffnet, heißt es in der Aussendung.

In Somalia herrscht seit 17 Jahren Bürgerkrieg. Islamistische Kräfte bekämpfen die äthiopischen Interventionstruppen, von denen die Regierung des Präsidenten Abdullahi Yusuf Ahmed vollständig abhängig ist. Das rigorose Vorgehen der Äthiopier ohne Rücksicht auf Zivilisten, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten Mogadischus trugen zur Radikalisierung bei. Islamisten, die Waffenhilfe aus Saudi-Arabien, Jemen und Eritrea erhalten, kontrollieren große Teile Somalias.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Konfliktparteien "zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen: Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien ebenso wie die Islamisten verantwortlich für "massives Leiden der Zivilbevölkerung". (APA)

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