Radio NRJ bestellt internationalen Chef

27. November 2008, 17:05
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Christophe Montague soll Auslands- und Expansionsvorhaben vorantreiben - Über seine Pläne und was er in Österreich vor hat sprach er mit dem STANDARD

Die französische Radiogruppe NRJ bestellt Christophe Montague (45) zum Chef für internationale Geschäfte. In dieser Position soll er Auslands- und Expansionsvorhaben vorantreiben. Montague führte bereits von 1993 bis 1999 Radio NRJ. In dieser Zeit verantwortete er die Radiosender in Deutschland und Österreich. Über seine Pläne sprach Christian Montague mit dem STANDARD.

STANDARD: Sie haben laut Aussendung die Aktivitäten von NRJ in Skandinavien erfolgreich restrukturiert. Was haben Sie nun mit Deutschland, und, was mich natürlich besonders interessiert, Österreich vor? Insbesondere mit Blick auf die Finanz- und damit auch Werbekrise?

Montague:  Als internationaler Geschäftsführer der NRJ Gruppe bin ich für 12 Märkte außerhalb Frankreichs zuständig. Das übergeordnete Ziel, das ich verfolge, beinhaltet drei wichtige Punkte: 1. mit unseren Sendern eine kritische Größe in den jeweiligen Märkten zu erreichen, 2. die Qualität und Reichweite unserer Produkte im Radio und im Internet
weiterzuentwickeln und dadurch 3. unsere Rendite zu erhöhen. Das gilt sowohl für Österreich als auch für einige andere Länder, in denen wir Radiostationen betreiben.

STANDARD: Im Frühjahr gab NRJ Paris bekannt, es beabsichtige seine Sender in Deutschland und Österreich zu verkaufen. Sind Sie in den Job zurückgekehrt, um diese Aktivitäten abzuwickeln?

Montague: Anfang des Jahres erschien eine Meldung in der französischen Presse, laut der die NRJ Gruppe ihre Beteiligungen in einigen internationalen Märkten verkaufen wolle. Diese Meldung war leider irreführend. Wenn Sie unseren aktuellen Jahresbericht lesen, und ich möchte hier noch einmal erwähnen, dass die NRJ Gruppe börsennotiert ist, werden Sie erfahren, dass wir in einigen Märkten strategische Kooperationspartner suchen möchten. Warum Kooperationen? Das Ziel ist es, in den Ländern, in denen wir tätig sind, alleine oder mit Partnern eine Position zu haben, aus der wir mit unseren Programmen systematisch eine Marktführerschaft erreichen können. Da in einigen Märkten der Kauf weiterer Sender leider nicht möglich ist, sind wir auf Kooperationen angewiesen. Dieses Modell haben wir bereits erfolgreich in Belgien, Schweden und der Schweiz umgesetzt.

STANDARD: Wie ist der aktuelle Stand der Verkaufsüberlegungen? Sind sie noch aktuell? Ich höre regelmäßig, NRJ wolle (oder wollte) Deutschland und Österreich im Paket verkaufen?

Montague:  Wie bereits erwähnt, gibt es im Moment keine Verkaufsüberlegungen, sondern lediglich Kooperationsgespräche. Im Übrigen sind Deutschland und Österreich zwei unterschiedliche Märkte, die getrennt voneinander betrachtet werden müssen.

STANDARD: Ich höre, an Österreich interessierten sich Styria Medien AG, Florian Novak (Exgesellschafter in Wien) oder auch Stephan Prähauser (Welle 1).

Montague:  Mehrere Unternehmen haben sich bereits für unsere Marke interessiert. Die für uns wichtigen Grundvoraussetzungen sind die Weiterentwicklung der Marke NRJ/ENERGY, starke Partnerschaften und eine extreme Verlässlichkeit unserer Partner. Potenzielle Partner, die diese Punkte gewährleisten, können durchaus in die engere Auswahl kommen.

STANDARD: In der letzten im Firmenbuch verfügbaren Bilanz schrieb Energy Wien ein eindrucksvolles Minus (mehr als fünf Millionen Euro). Wie wollen Sie diesem Problem beikommen?

Montague:  Die Zahlen, auf die Sie sich beziehen, beinhalten auch die Anlaufverluste aus den ersten Jahren von ENERGY Wien. Im Radiotest 1. Halbjahr 2008 haben wir wieder die Marktführerschaft unter den Privatradios errungen. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den Wiener Sender dort zu platzieren, wo er hingehört: an der Spitze. Allerdings müssen wir wie jedes andere Medienunternehmen darauf achten, dass unsere Strukturen, insbesondere bei bevorstehenden Krisen, zeitgemäß bleiben. (Harald Fidler, DER STANDARD; 28.11.2008)

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