TA-Finanzchef Tschuden: "Festnetz wird nicht ausgehungert"

27. November 2008, 13:07
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Auch heuer 250 Millionen Euro ins Festnetz investiert - "Eine Dividende ist ein Muss" - 400 Mitarbeiter dürften Sozialplan annehmen

Der Finanzvorstand der Telekom Austria (TA), Hans Tschuden, hat vor dem Hintergrund laufender Gespräche zwischen dem TA-Vorstand und der Belegschaftsvertretung die Personalabbau-Pläne und die Dividendenpolitik seines Unternehmens verteidigt. "Es ist absurd zu behaupten, dass wir das Festnetz aushungern", wies Tschuden den Vorwurf unzureichender Investitionen im Festnetzbereich am Donnerstag zurück. Man habe in den Jahren 2003 bis 2007 insgesamt 1,5 Mrd. Euro ins Festnetz investiert und heuer weitere 250 Mio. Euro, rechnete Tschuden vor. Zusammen mit dem Mobilfunk-Bereich hätten sich die Investitionen heuer auf 800 Mio. Euro belaufen.

1,1 Milliarden Euro Dividende

Gleichzeitig habe man im Zeitraum 2003 bis 2007 1,1 Mrd. Euro an Dividenden ausgeschüttet - was auch unbedingt notwendig sei. Die TA habe eine internationale Aktionärsstruktur und stehe im Wettbewerb mit anderen börsenotierten Unternehmen. "Wir müssen den Leuten, die uns Kapital zur Verfügung stellen, auch eine entsprechende Verzinsung bieten. Eine Dividende ist ein Muss, um dem Aktionär eine Mindestverzinsung für sein Kapital zu bieten", sagte Tschuden. Man versuche jedenfalls eine ausgewogene Verteilung der Mittel zu erreichen, auch zur Tilgung von Schulden - die Nettoverschuldung der TA betrage derzeit rund 4 Mrd. Euro.

Rück- und Richtigstellungen

"Derzeit sind wir noch nicht massiv von den erhöhten Margen der Banken betroffen" weil man die Kredite langfristig abgeschlossen habe. Bei den notwendigen Refinanzierungen würden die Margen jedoch infolge der Finanzkrise um etwa einen Prozentpunkt höher ausfallen. Die Kritik, dass eine Dividende ausgeschüttet werde, obwohl sich für 2008 durch Rückstellungen in Höhe von 630 Mio. Euro für den geplanten Personalabbau ein Nettoverlust ergebe, geht nach Ansicht von Tschuden in Leere. "Die Rückstellung ist nicht cash-wirksam, wir haben nicht weniger Cash verdient als im Jahr davor." Durch diese Rückstellung werde es in den kommenden Jahren zu einem Ergebnisanstieg kommen.

Personalabbau unvermeidbar

Der geplante Personalabbau ist laut Tschuden unvermeidbar. Durch den massiven Wettbewerb im Mobilfunk seien die Preise stark gesunken und das Festnetz habe Marktanteile verloren. Der Ausbau des Breitband-Internets über Telefonleitungen habe diesen Trend nur zum Teil bremsen können. Ein Ausbau der Glasfaser-Netze auch am Land "setzt voraus, dass sich das auch rechnet, ein entsprechender Gewinn muss gegeben sein". Das sei derzeit nicht machbar, weil der Kostenblock bei den Personalkosten nicht veränderbar sei. Man habe versucht, die Personalkosten zu reduzieren, indem man heuer im 1. Halbjahr die Verträge von 400 Leiharbeitern nicht verlängert habe. Diese Jobs - vor allem im Callcenter - habe man den eigenen angestellten Mitarbeitern angeboten, aber nur rund 50 Mitarbeiter hätten sich beworben. Darum habe man den Personalstand wieder mit Leiharbeitern auffüllen müssen. Wie berichtet sollen 2.500 Telekom-Festnetzmitarbeiter in den nächsten drei Jahren gehen, 1.250 davon schon 2009. Tschuden geht davon aus, dass von diesen 1.250 Mitarbeitern rund 400 den angebotenen Sozialplan - Abfertigungen - annehmen werden. Etwa 850 würden bei 85 bis 93 Prozent ihrer Bezüge "bis zu ihrer Pensionierung" nach Hause geschickt.(APA) 

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