"Eklat" im ORF: General Wrabetz nicht zu Gehaltsverhandlungen erschienen

27. November 2008, 12:35
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Erste Lohnrunde geplatzt - Betriebsrat Moser: "Rubikon überschritten" - Betriebsräte haben Infoveranstaltung verlassen

Kurz bevor sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Donnerstagmittag der Belegschaft stellte, um sein Struktur- und Sparpaket zu präsentieren, machten die Betriebsräte ihrem Ärger über die am Vormittag geplatzte Lohnverhandlungsrunde Luft. Um 13.13 Uhr verließen die Belegschaftsvertreter geschlossen die Sitzung, die auch via Hauskanal in die übrigen ORF-Standorte und Landesstudios übertragen wird.

Zuvor erklärte Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser, dass er die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Geschäftsführung als Affront und Eklat empfinde. Wrabetz entgegnete den Betriebsräten von der Bühne aus, dass sich der ORF in einer "sehr schwierigen, nie dagewesenen Situation befindet, die nicht besser wird, wenn wir das Gespräch verweigern". Er bedauere die Missstimmungen und verstehe den Unmut, er habe aber kein Verständnis dafür, dass "man nicht anerkennt, dass sich das Unternehmen wirklich in einer außergewöhnlichen Situation befindet".

Wrabetz nicht erschienen

Am Vormittag kam es einem "Eklat" zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat. Um zehn Uhr war der Termin mit Generaldirektor Wrabetz und dem Zentralbetriebsrat zum Thema Gehaltsverhandlungen anberaumt, nur: Wrabetz ist zu diesem Termin nicht erschienen. Der Betriebsrat hat um ca. 10.30 Uhr den Verhandlungsraum verlassen, Wrabetz ist angeblich erst um 11.30 erschienen. Zentralbetriebsratsobmann Moser schäumt: "Jetzt ist der Rubikon überschritten".

Strobl: "Außergewöhnliche Situation"

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte für 9.00 Uhr eine Direktoriumssitzung angesetzt, die "angesichts des umfangreichsten Maßnahmenpakets in der Geschichte des ORF" länger gedauert habe als erwartet, so Kommunikationschef Pius Strobl. Er rechtfertigte die Verspätung mit der "außergewöhnlichen Situation", in der sich das Unternehmen befinde. Es gebe keinen Grund zur "Eskalation", die Betriebsräte seien vom Dienst freigestellt gewesen und müssten angesichts der drastischen Situation "Geduld aufbringen". Die Belegschaftsvertreter seien unmittelbar nach der Direktoriumssitzung zu einem neuen Termin für Lohnverhandlungen eingeladen worden, den sie allerdings nicht wahrgenommen haben, so Strobl.

Moser wettert außerdem über Kommunikationspolitik

Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser sah das anders, man habe die wartenden Belegschaftsvertreter "nicht einmal telefonisch über die Verspätung informiert". Moser wetterte außerdem über die Kommunikationspolitik des Hauses. "Offensichtlich ist es den Herrschaften auch völlig wurscht, wie es um die Belegschaft und die Stimmung im Unternehmen bestellt ist. Nach außen wird die Trommel gerührt und innen werden weder von Spar- und Ausgliederungsplänen betroffene MitarbeiterInnen noch deren betriebsrätliche Vertreter informiert", so der ZBR-Chef in einer Aussendung.

Das widerspreche nicht nur den Regeln der Arbeitsverfassung, sondern auch den jahrzehntelangen Gepflogenheiten sozialpartnerschaftlichen Umgangs im ORF. Die Zentralbetriebsräte appellierten "an die Vernunft des Generaldirektors, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und das System der partnerschaftlichen Konfliktaustragung nicht mutwillig zu zerstören", so Moser.

"Affront gegen die Belegschaftsvertretung"

"Sollte der heutige Affront gegen die Belegschaftsvertretung, die Verweigerung der Gehaltsrunde und die Nicht-Information über geplante Sparmaßnahmen, als 'Akt der Stärke' gegenüber den ORF-Betriebsräten gedacht gewesen sein, so muss hier gesagt werden, dass es sich maximal um eine 'inkompetente Kurzschlussreaktion' handeln kann." (APA/red)

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    Wrabetz kam zu spät, die gemeinsame Sitzung ist geplatzt. Der Betriebsrat spricht von einem  "Eklat".

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