Land Oberösterreich haftet für Lenzing-Deal

27. November 2008, 18:06
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Oberösterreich haftet beim Rückkauf der Genussrechte für Lenzing, Semperit&Co mit 400 Millionen für die Bank-Austria-nahe B&C-Stiftung. Lenzing bleibt unangetastet

Wien - Mit einer geschickten Volte ist nun der Verkauf der Genussrechte, die die Bank Austria an Semperit, Lenzing, Porr und Co. hat, so gut wie unter Dach und Fach. Wie berichtet hat die (von der damaligen Bank Austria Creditanstalt gegründete) B&C Privatstiftung vor, die Genussrechte selbst zu kaufen. Auf den Verkauf hat die italienische Mutter UniCredit bestanden; es geht um ein Gesamtpaket im Wert von 1,2 Milliarden Euro - Geld, das die B&C Stiftung nicht so ohne weiteres aufstellen kann. An diesem Punkt ist am Donnerstag das Land Oberösterreich auf den Plan getreten.

Schirm gegen Ausland

In einer Pressekonferenz gab Landeshauptmann Josef Pühringer bekannt, dass das Land der B&C-Stiftung mit einer Garantie (Haftung) von bis zu 400 Millionen Euro bei der Finanzierung beispringen werde.
Der Hintergrund für den Linzer Schirm, der nun über den Häuptern der Wiener aufgespannt wird:Zwei Drittel des Werts der Industrieunternehmen, die von der B&C-Holding verwaltet werden, macht das rund 90-Prozent-Paket am börsennotierten Faserproduzenten Lenzing AG aus. Der ist einer der Leitbetriebe Oberösterreichs, um den sich zuletzt der indischeErzrivale Birla ganz heftig bemüht hat. "Wir wollen keinesfalls riskieren, dass das Unternehmen ins Ausland geht" argumentierte Pühringer den überraschenden Deal.
Aus dem Initiativantrag, über den am 4. Dezember im Landtag abgestimmt wird, geht hervor, dass B&C für den Kauf der Genussrechte rund 650 Millionen fremdfinanzieren muss. Davon 350 Mio. könnten "nicht durch Sicherheiten gedeckt werden" . Dieser Abstattungskredit werden eine maximale Laufzeit von 17 Jahren haben.

"Angemessenes Haftungsentgelt"

Das Land bekommt ein "angemessenes und marktübliches" Haftungsentgelt, Informations- und Nominierungsrechte und Sicherheiten, unter anderem die Pfandrechte samt Call-Option für die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) an Lenzing. Zudem bietet die B&C Holding in ihrem Antrag, der vom 25. November stammt, eine "Behalteverpflichtung an Lenzing" über 75 Prozent plus einer Aktie an samt Belastungsverbot für 50 Prozent plus eine Aktie.
Die wichtige Frage, wer denn der Bank-Austria-nahen Stiftung das notwendige Kapital "pumpen" wird, ist derzeit freilich nicht geklärt. Die Gespräche mit den Banken (darunter UniCredit und Ludwig Scharinger mit der Raiffeisenlandesbank OÖ) laufen noch, sollen aber demnächst abgeschlossen werden. Denn der Kaufvertrag soll noch heuer unterschrieben werden - nicht zuletzt geht es um die "Behübschung" der Bilanz 2008.
Der Kaufpreis an die Bank Austria soll zum Teil in Cash fließen, wobei es fixe und variable Bestandteile geben soll, bei letzteren geht es um rund 300 Millionen Euro, die vom künftigen Erfolg der Industrieunternehmen der Stiftung ab. Es handelt sich dabei also um eine Art Besserungsklausel. Maximal kann der Kaufpreis 1,2 Milliarden Euro erreichen, inkludiert ist darin auch die Ausschüttung von Sonderdividenden.

Italiener wollen versilbern

Die Unternehmen, die in der Stiftung gebunkert sind und die die Italiener, weil nicht zum Kerngeschäft gehörend, versilbern wollten, sind neben Semperit-Holding (54 Prozent) und Lenzing, die Alwa Güter- und VermögensverwaltungsgmbH mit riesigen Jagden der alten Creditanstalt. Außerdem das SAS-Hotel am Wiener Parkring; insgesamt geht es um fast 90 Beteiligungsgesellschaften mit rund 13.700 Beschäftigten. 2007 hat die B&C-Holding, die das Ganze verwaltet, 144 Millionen Euro Gewinn nach Steuern abgeworfen.
Der im gemeinsamenInitiativantrag aller vier Landtagsparteien genannte Grund für den Deal lautet so: "Die UniCredit als Muttergesellschaft der UniCredit Bank Austria AGverlangt von der Bank Austria als Unterstützung der Bewältigung der gegenwärtigen finanziellen Situation von der Bank Austria Sonderausschüttungen. Diese sollen aus der Veräußerung der Genussrechte finanziert werden." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.11.2008)

  • Lenzing bleibt in der Stiftung, kein Verkauf ans Ausland: Dafür sorgt ein komplexer Deal zwischen B&C und Land Oberösterreich.
 
    foto: lenzing

    Lenzing bleibt in der Stiftung, kein Verkauf ans Ausland: Dafür sorgt ein komplexer Deal zwischen B&C und Land Oberösterreich.

     

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