Deutsche Unternehmer träumen vom Ausland

27. November 2008, 11:13
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Kostenvorteile schrumpfen - Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung als wichtige Themen

Gummersbach - Personalkostenvorteile üben nach wie vor einen starken Reiz auf deutsche Unternehmen aus, ins Ausland abzuwandern oder Auslagerungen zu gründen. Diese schrumpfen jedoch rasant, wie die Managementberatung Kienbaum aufzeigt. So seien die Lohnkostenzuwächse etwa in Osteuropa derzeit zehn bis 25 Mal größer als hierzulande, womit das aktuelle Bild vom kostengünstigen Ausland in Zukunft entrückt werden kann. "Standorte wie Deutschland leben von Hochtechnologie-Produkten und sind im Commoditys-Bereich ohnehin nicht mehr wettbewerbsfähig. Das Mitarbeiterpotenzial ist in der Standortfrage daher mittlerweile ein viel bedeutenderer Faktor geworden als bloße Lohnkosten", erklärt Stefan Falckenberg, Mitglied der Kienbaum Geschäftsleitung. Für Deutschland spreche im internationalen Vergleich zudem eine Reihe weiterer Argumente.

Nachholbedarf bei Motivation und Flexibilität

"Themen wie Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung sind für deutsche Unternehmen essenziell geworden", meint Falckenberg. So liege der entscheidende Wettbewerbsvorteil in Qualität und Ausbildung der Angestellten und damit auf Seiten Deutschlands. "Der reine Personalkostenvorteil wird sinken und Kostenzuwächse werden künftig über Produktionssteigerungen kompensiert. Zudem schließt sich die Lohnlücke gegenüber ausländischen Standorten in den nächsten zehn bis 15 Jahren", so der Experte. Zwar bestehe Nachholbedarf bei der Flexibilität sowie der Motivation von Mitarbeitern. Bei Kriterien wie Erfahrung, Qualitätsverständnis, Verfügbarkeit und Produktivität von hochqualifizierten Mitarbeitern liege Deutschland im internationalen Vergleich teilweise jedoch deutlich vorn.

"Unternehmen mit Auslandserfahrung haben den Trend bereits erkannt und rechnen in der Standortfrage schon jetzt mit nur geringen Kostenvorteilen im Ausland. Sie stellen zudem bloße Lohnkostenrechnungen einer Gesamtkostenrechnung gegenüber", sagt Falckenberg. Trotz des herrschenden Fachkräftemangels stellen hohe Produktivität und Fertigungsqualität sowie Prozesssicherheit, Liefertreue und Innovationskraft hierzulande wichtige Standortvorteile dar. Beim Faktor kurzer Entwicklungszeiten habe Deutschland hingegen etwa gegenüber Osteuropa, Indien oder China an Vorsprung eingebüßt.

Kostenkalkulation

Das bedeutendste Motiv für eine Standortverlagerung von Unternehmen bilden weiterhin die Personalkosten. Die Vorteile müssten jedoch mindestens 23,3 Prozent betragen, damit Unternehmen die Verlagerung von Produktionskapazitäten erwägen. Nur elf Prozent seien bereit, auch ohne Kostenvorteile ins Ausland abzuwandern. Allerdings würden auch die Argumente Markterschließung und Kundennähe für einen zunehmenden Anteil der Unternehmen wichtige Motive bilden. "Die Unternehmen lassen immer stärker in ihre Standortentscheidung einfließen, wo ihre Märkte und Kunden der Zukunft beheimatet sind, anstatt bloß Kostenfaktoren abzuwägen", schließt Falckenberg. (pte)

 

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