UBS-Aktionäre billigen Staatsbeihilfe

27. November 2008, 15:48
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Staatshilfe beläuft sich auf 44 Milliarden Euro - Klagemöglichkeit gegen Bank-Manager wird geprüft

Die durch die Finanzkrise schwer angeschlagene Schweizer Großbank UBS kann Staatshilfen für das weitere Überleben annehmen. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung billigten die Aktionäre am Donnerstag in Luzern eine Pflichtwandelanleihe in Höhe von sechs Mrd. Franken (3,9 Mrd. Euro). Diese sind Teil eines 68 Mrd. Franken umfassenden Rettungspaketes des Staates für den größten Vermögensverwalter der Welt, der bereits rund 40 Mrd. Franken wegen der Hypotheken- und Finanzkrise abschreiben musste.

Verwaltungsratspräsident Peter Kurer kündigte für 2009 einen Gewinn an. Außerdem sollen weitere Boni und Zulagen des Managements in zweistelliger Millionenhöhe zurückgezahlt werden. Die UBS gehört zu den europäischen Banken mit den höchsten Verlusten im Zuge der Weltfinanzkrise.

Zur Übernahme von Problembeständen der UBS werden von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 62 Mrd. Franken bereitgestellt, die in einer von der SNB kontrollierten und finanzierten Gesellschaft geparkt werden, bis sich der globale Finanzmarkt erholt hat. Kurer, der sich noch im Oktober sicher gezeigt hatte, das keine Staatshilfen nötig würden, nannte nun das Rettungspaket für die Großbank "überzeugend und ausgewogen". Wenn es diese Kapitalspritze des Staates nicht geben würde, wären weitere Abschreibungen von etwa vier Mrd. Franken vonnöten.

SNB könnte gewinnen

Da die UBS zuvor bereits in kurzer Zeit zweimal Kapital aufgenommen und weil angesichts der "dramatischen Finanzmarktturbulenzen" großer Zeitdruck bestanden habe, sei es der UBS nicht möglich gewesen, nochmals private Investoren zu finden, sagte Kurer. Die SNB könne sogar gewinnen. "Damit kann sie diese Werte bis zum Verfall halten oder später, wenn sich die Marktverhältnisse gebessert haben, geordnet verkaufen", sagte der UBS-Verwaltungsratspräsident.

Kurer rechnet für 2009 mit Gewinn. Das nächste Jahr werde profitabel, sagte er und bestätigte somit unter heftiger Kritik der Aktionäre seine Prognose von der außerordentlichen Generalversammlung von Anfang Oktober. Zwei Wochen später musste die Großbank beim Staat um Milliardenhilfen bitten. 2007 hatte die Bank erstmals einen Verlust gemacht, der mit 4,4 Mrd. Franken extrem hoch ausfiel. Auch in diesem Jahr droht ein hoher Verlust. Kurer versprach auch ab 2010 wieder eine Dividende. Außerdem stellte er eine neue Haltung in Aussicht: "In der UBS von heute gibt es keinen Platz mehr für Arroganz - und auch in der UBS von morgen wird sie keinen Platz haben."

Klage auf Schadenersatz

Grundsätzlich lässt der derzeitige Verwaltungsrat die Möglichkeit eine Klage auf Schadenersatz gegen Manager des Instituts prüfen. Sollte es diese Möglichkeit geben, werde der Verwaltungsrat diesen juristischen Schritt auch einleiten, so Kurer. "Wenn man das unterlässt, wäre das Pflichtverletzung", sagte Kurer, der sein Amt erst seit Oktober ausübt, vorher aber der Konzernleitung angehörte.

Kurer kündigte auch an, dass Manager auf weitere 22 Mio. Franken an Gehalt und Zulagen verzichten würden. Insgesamt würden auch 33 Mio. Franken der Führungskräfte um den früheren Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel zurückgezahlt. Die Bank gibt sich zusätzlich ein völlig neues Gehalts- und Zulagensystem, das nicht mehr nur gewinnorientiert ist. (APA)

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