Personal Tools: Generation Pflege

27. November 2008, 09:17
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Arbeitswelten, die es möglich machen, Kinder und Beruf miteinander zu vereinen, sind seit langem ein zentrales Thema von Familien- und Arbeitsmarktpolitik - Nicht aber Beruf und Pflege

Arbeitswelten, die es möglich machen, Kinder und Beruf miteinander zu vereinen, sind seit langem ein zentrales Thema von Familien- und Arbeitsmarktpolitik; manches hat sich verbessert, vieles bleibt unbefriedigend.

Beruf und Pflege

In einer (meist) späteren Lebensphase gibt es eine ähnliche Problematik, der noch wenig Beachtung geschenkt wird: Der Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung oder Pflege von Angehörigen. Pflege als alles umfassender Begriff ist ein wenig unglücklich gewählt für die Debatte. Natürlich gibt es Lebenssituationen, die 24-Stunden-Betreuung nötig machen, die ohne Unterstützung nicht zu bewältigen ist. Aber es geht auch um die Erledigungen, die alternde Eltern oder Großeltern nicht mehr selbst besorgen können, oder um vorübergehende Krisensituationen. Irgendeine Form von Pflege mit dem Beruf verbinden zu müssen, betrifft durch den demografischen Wandel eine wachsende Zahl der Berufstätigen.

"Generation Pflege"

"Generation Pflege" nennt Sonja Lambert von der Gesundheitskasse AOK Hessen die Jahrgänge zwischen 1945 und 1965, die rein statistisch am ehesten damit rechnen müssen - diese Generation ist im Job bereits die Mehrheit. Das Thema ist in Betrieben jedoch tabuisiert, hat die Volkshilfe erhoben. Es gibt wenig Bewusstsein darüber und selten Regelungen, die Mitarbeitern helfen, solche (oft über Nacht entstehende) Situationen mit ihrer Arbeit unter einen Hut zu bringen. Dabei wäre dies auch für den Betrieb ein Gewinn: "Mitarbeiter, die in der Pflege tätig sind, erhöhen ohne Zusatzkosten ihre soziale Kompetenz", sagt der Personalchef der Steiermärkischen Sparkasse, Johann Mehrl.

"Nebenwirkungen"

Andere positive "Nebenwirkungen": Geringere Fluktuation, besseres Betriebsklima, weniger Fehltage, höhere Produktivität. Was hat all dies mit Technologie zu tun? Sehr einfach: Telearbeit und Web 2.0 können viel zur leichteren Vereinbarkeit beitragen, sowie zur leichteren Bewältigung der Aufgaben. Natürlich gibt es essenziellere Maßnahmen: Entlastende Dienstleistungen für Menschen, die Betreuung oder Pflege brauchen, Unterstützung der betreuenden Angehören, Karenz, flexible Arbeitszeit, Teilzeit, sagt Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger. Telearbeit macht jedoch flexibles Arbeiten erst wirklich möglich.

Soziale Zugehörigkeit

Die Steiermärkische verbindet dies mit Anwesenheitsphasen, um die soziale Zugehörigkeit abzusichern. Andererseits sollten Betriebe die Verwendung von E-Mail, Internet, Telefon für private Zwecke dezidiert erlauben und nicht nur dulden: "Die meisten Dinge können in einer solchen Situation nicht bis zum Abend warten", beschreibt Betriebsratschef Rüdiger Koch von Merz Pharma seine Erfahrungen. Und Web 2.0? Wenn man Kinder hat, redet man darüber, zeigt Bilder, findet viele On- und Offlinekontakte - während die pflegende Verantwortung "traurig macht und runter zieht" (Koch). Allein mit der Situation fertig werden zu müssen, keine Information zu bekommen: Dieses Gefühl gehört zu den belastendsten Erfahrungen pflegender Angehöriger. Eine Problematik für deren Lösung das Netz wie geschaffen ist.(HELMUT SPUDICH/DER STANDARD, Printausgabe vom 27.11.2008)

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    Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird eines der wesentlcihen Themen in Zukunft werden.

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