Uniqa-Ergebnis bricht massiv ein

27. November 2008, 13:33
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Der Vorsteuergewinn rutscht in den ersten neun Monaten um 39 Prozent ab

Wien  - Der börsenotierte Versicherungskonzern Uniqa musste heuer wegen der Finanzkrise in den ersten neun Monaten einen regelrechten Ergebniseinbruch hinnehmen. Der Vorsteuergewinn (EGT) sackte auf 104 Mio. Euro ab, um 39 Prozent unter dem um ao Erträge aus dem Strabag-Verkauf bereinigten Vorjahreswert von 170 Mio. Euro. Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Unbereinigt hatte das EGT im Vorjahr bis September 280 Mio. Euro betragen, für jetzt hatten Analysten lediglich einen Rückgang auf 160 Mio. Euro erwartet.

Von ihrem Ziel, heuer zumindest wieder das Vorjahresergebnis zu erreichen, hat sich die Uniqa verabschiedet. Das bisher angestrebte Ergebnis für 2008 sei "aufgrund der negativen Entwicklung auf den Kapitalmärkten und infolge des allgemeinen Wirtschaftsabschwungs nicht mehr erreichbar", heißt es im Ausblick. Das Ergebnis werde voraussichtlich deutlich unter dem Wert des Vorjahres liegen. "Wegen der anhaltend hohen Volatilität und der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Kapitalmärkte ist derzeit auch keine verlässliche Prognose für das Geschäftsjahr 2008 und darüber hinaus möglich." Deshalb habe man auch die mittelfristige Prognose für 2010 "bis auf weiteres außer Kraft gesetzt", so Uniqa-Chef Konstantin Klien.

Ende August hatte die Uniqa bei der Präsentation der Halbjahreszahlen noch erklärt, man peile für heuer 230 bis 250 Mio. EGT an, allerdings unter Voraussetzung stabilisierter Kapitalmärkte und ohne Großschäden.

Plus bei Konzerneinnahmen

Ihre Konzern-Prämieneinnahmen konnte Uniqa Group heuer in den ersten neun Monaten weiter steigern. Die verrechneten Prämien legten um 12,6 Prozent auf 4,429 Mrd. Euro zu, wobei das Wachstum in CEE mit 65,9 Prozent auf 960 Mio. Euro sehr kräftig ausfiel. Zusammen mit gesenkten Kosten- und Leistungsquoten sei das versicherungstechnische Kerngeschäft weiter verbessert worden, erklärte die Versicherung am Donnerstag. Die Combined Ratio (brutto) in der Schaden- und Unfallversicherung sei trotz der Stürme Paula und Emma von 98,0 auf 93,6 Prozent reduziert worden.

In Westeuropa habe das Geschäftsvolumen ebenfalls deutlich an Fahrt gewonnen und sich um 11,1 Prozent auf 746 Mio. Euro erhöht. Dies sei primär den rasant gestiegenen Einmalerlägen in der Lebensversicherung in Italien mit insgesamt 18,9 Prozent Prämienplus auf 368 Mio. Euro zu verdanken. Auch die UNIQA-Töchter in Deutschland hätten mit +3,7 Prozent auf 338 Mio. Euro stärker als der Markt zugelegt.

"Schwieriges Marktumfeld"

Am Kernmarkt Österreich sei das Prämienvolumen "trotz des schwieriger gewordenen Marktumfelds" um 1,5 Prozent auf 2,722 Mrd. Euro gestiegen. Dabei wuchsen die Einnahmen in Leben um 21,0 Prozent auf 1,856 Mrd. Euro und in Schaden/Unfall um 8,6 Prozent auf 1,859 Mrd. Euro. In der Krankensparte legten die verrechneten Prämien um 3,9 Prozent auf 714 Mio. Euro zu.

Die Leistungsquote über alle Sparten konnte laut Uniqa in den ersten neun Monaten um fast 10 Prozentpunkte von 75,4 auf 65,9 Prozent gesenkt werden. Die Kostenquote wurde konzernweit von 22,2 auf 21,8 Prozent vermindert. Mit der Combined-Ratio-Verbesserung hätten sich auch die technischen Ergebnisse (vor Vermögenserträgen) in den Non-Life-Sparten verbessert: in Schaden/Unfall von -19 auf +49 Mio. Euro und in Kranken von -25 auf +17 Mio. Euro.

Der Kapitalanlagenbestand per 30.9. sank im Jahresabstand leicht auf 21,822 (21,943) Mrd. Euro. Die Netto-Erträge aus Kapitalanlagen reduzierten sich "in Folge der allgemeinen Finanzmarktkrise" auf 255 Mio. Euro, hieß es.

Keine Staatsgelder

Die Uniqa wird keine Staatsgelder aus dem für österreichische Banken und Assekuranzen gedachten Milliarden-"Schutzschirm" in Anspruch nehmen. "8 Prozent Zinsen dafür sind langfristig zu teuer", sagte Klien weiter. Ab Mitte 2009 werde sich Hybridkapital durch die rückläufigen Zinsen verbilligen. Allerdings müsste Hybridkapital wie bei Banken auch für Versicherungen voll anrechenbar sein und nicht wie derzeit nur zur Hälfte. Kritik übte Klien erneut an Staatshilfen für Konkurrenten etwa aus den Niederlanden, die sich dadurch im wichtigen UNIQA-Markt Osteuropa noch besser aufstellen könnten.

Sobald das Vertrauen zurückgekehrt ist und das Interbankengeschäft wieder besser läuft, würden sich auch die Zuschläge für Ausleihungen verringern, nimmt der UNIQA-Generaldirektor an. Es gebe also Chancen, sich in gut einem halben Jahr über Hybridkapital für zwei Jahre billiger zu finanzieren. Dass Partizipationskapital auf Eigenkapital von Banken unbeschränkt anrechenbar sei und bei Versicherungen nicht, sei eine Ungleichbehandlung, die national repariert werden könnte.

Russland-Einstieg steht bevor

Trotz Finanzkrise wird die Uniqa in organisches Wachstum investieren und mit den Raiffeisen-Banken als "Preferred Partners" den Schritt in das Riesen-Land wagen, für das man - so Generaldirektor Konstantin Klien - "einen sehr langen Atem oder sehr viel Geld benötigt, außer man hat einen Verwandten, mit dem man Geschäfte machen kann". "Ja, wir wollen in Russland einsteigen, aber es gibt noch keine Organbeschlüsse", sagte Klien am Donnerstag.

Mit dem Start in Russland werde es "kein Jahr mehr dauern", so Klien im Klub der Wirtschaftspublizisten. Thema für die Uniqawerde dort die Lebensversicherung sein, sowohl Fondspolizzen als auch die klassische Lebensversicherung. Nicht betätigen wolle man sich in Russland aber im Sachbereich, etwa Auto. Die Lebensversicherung werde im Osten weiterhin "der Wachstumsmotor" bleiben. (APA)

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    Trotz Finanzkrise wird die Uniqa in organisches Wachstum investieren sagt Generaldirektor Konstantin Klien.

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