"Malen mit Zahlen" bei Oberösterreichs Gebietskrankenkasse

27. November 2008, 13:48
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Warum steht die OÖGKK so gut da? Sie wirtschaftet besser, sagen die einen - Sie zahlt weniger durch die Spitalsversorgung des Landes, meinen die anderen

Wien - Der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse mit ihrem bisherigen Obmann und neuen Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) wird besonders gutes Wirtschaften nachgesagt. Der Rechnungshof und die Sozialpartner machten daraus im Frühjahr dieses Jahres quasi eine "Benchmark", an der sich die übrigen Krankenkassen orientieren sollten.

Doch das bessere Abschneiden der OÖGKK könnte auch strukturbedingt sein. Das belegt jedenfalls eine Analyse der Stabsstelle Betriebswirtschaft in der NÖ-Ärztekammer. Angesichts der aktuellen Diskussion schickte die APA die Ergebnisse der wenige Monate alten Studie am Donnerstag aus. 

Spitalskosten in Oberösterreich höher

Demnach sind im Vergleich zu den relativ guten Daten der Gebietskrankenkasse in Oberösterreich dafür die vor allem vom Land zu bestreitenden Spitalskosten höher. Die Experten der Ärztekammer verglichen Niederösterreich und Oberösterreich. Fazit: In Oberösterreich stand die Gebietskrankenkasse in der Vergangenheit auch deshalb so "gut" da, weil die Spitäler einen überproportional großen Versorgungsanteil hatten.

"Oberösterreich hat mehr Spitalsbetten und wickelt mehr Leistungen über die Ambulanzen ab. Die Landesfonds-finanzierten Krankenhäuser in Oberösterreich verursachten im Jahr 2006 um 214 Mio. Euro größere Kosten als die niederösterreichischen. Landeshauptmann Josef Pühringer holt sich das halt über den Finanzausgleich (§15a-Vereinbarung, Anm.) zurück", zitiert die APA zum Ergebnis der Analyse Dr. Günter Wawrowsky, Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. Das seien Leistungen, die der OÖGKK eben nicht auf den Kopf fallen würden.

OÖGKK: "Malen mit Zahlen"

Dem aber entgegnet Harald Schmadlbauer, Sprecher der OÖGKK, im Gespräch mit derStandard.at: "Das kann man so nicht sagen." Die Analyse der Ärztekammer sei "zu einfach", sie betreibe "Malen mit Zahlen." Denn die Situation sei auch im Spitalswesen in Oberösterreich ganz anders als in Niederösterreich: "Niederösterreich liegt rund um Wien. Ohne Wien würde dort das System auch nicht funktionieren. Die Niederösterreicher können nichts für ihre Situation, sie machen ihre Sache sehr gut", so Schmadlbauer.

Pro Versichterem 82 Euro mehr

Insgesamt gehe man in dem Bundesländervergleich von zu einfachen Annahmen aus. Der Sprecher der ÖGKK: "Die Grundthese, dass alles, was wir im Spitalsbereich tun, zu einer Entlastung des niedergelassenen Bereiches und somit der Krankenkasse führt, ist zu simpel gedacht. Wir zahlen den gesetzlich festgelegten Anteil an Spitalskosten. Hier zahlen wir pro Versichertem und Jahr um 82 Euro mehr als die niederösterreichische Gebietskrankenkasse. Wenn man die stationäre und die ambulante Betreuung in den oberösterreichischen Krankenhäusern zusammenrechnet, zahlen wir  als Oberösterreischische Gebietskrankenkasse an die 40 Prozent der Spitalskosten." In anderen Bundesländern läge dieser Anteil bei rund einem Drittel. Die niederösterreichische Ärztekammer war auch auf Nachfrage von derStandard.at von der Richtigkeit ihrer Studie überzeugt. (APA, rwh, derStandard.at, 27.11.2008)

  • Das bessere Abschneiden der OÖGKK könnte strukturbedingt sein. Das
belegt jedenfalls eine bereits vor einigen Monaten erstellte Analyse der NÖ-Ärztekammer. In Oberösterreich wird aber dementiert: "Das ist Malen mit Zahlen."
    foto: standard, newald

    Das bessere Abschneiden der OÖGKK könnte strukturbedingt sein. Das belegt jedenfalls eine bereits vor einigen Monaten erstellte Analyse der NÖ-Ärztekammer. In Oberösterreich wird aber dementiert: "Das ist Malen mit Zahlen."

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