Bode Miller erster Maßstab

26. November 2008, 21:37
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Bestzeit für US-Amerikaner im ersten Training für die Abfahrt in Lake Louise - Nur knapp geschlagen: Kröll und Walchhofer als Zweiter und Dritter - Raich und Maier zweistellig

Lake Louise - Bode Miller hat am Mittwoch im ersten Abfahrtstraining der Herren in Lake Louise vor den beiden Österreichern Klaus Kröll (+0,08 Sek) und Michael Walchhofer (0,18) Bestzeit erzielt. Im Mittelpunkt stand bei Prachtwetter mit Scott Macartney aber ein anderer US-Fahrer. Der Amerikaner absolvierte erstmals seit seinem Horrorsturz vergangenen Jänner in Kitzbühel ein Renntraining und atmete danach durch. "Ich war nervös, aber auf der Strecke hatte ich dann Riesenspaß", gestand Macartney im Ziel.

Mammutfeld

Das Mammutfeld von 90 Startern nahm am Mittwoch vor nicht einmal halb so vielen Zuschauern erstmals die malerische Strecke in Lake Louise unter die Ski. Am Wochenende gehen mit einer Abfahrt (Samstag) und einem Super-G (Sonntag) die ersten Saison-Speedrennen der Herren in Szene. Fast zweieinhalb Stunden dauerte das Training inklusive aller Präparierungspausen, bis auch Stephan Görgl als 90. und Letzter im Ziel war.

Macartney war da dank Startnummer zwei deutlich besser dran. Zehn Monate nach seinem Horrorsturz am Zielsprung in Kitzbühel, bei dem der Amerikaner ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte und danach in künstlichen Tiefschlaf versetzt worden war, waren 2,24 Sek. Rückstand auf Miller okay für den Amerikaner. "Ich bin körperlich wieder gut in Form, hatte viel Zeit zum Trainieren", erklärte Macartney, der kommenden Winter alle Abfahrten und Super-G bestreiten und auch in Kitzbühel wieder antreten wird.

Schlechte Erinnerungen will er dorthin nicht mitnehmen. "Mal schauen, was mein Kopf sagt, wenn ich dort bin. Aber sportlich sollte es okay sein, bis dahin haben wir ja alle schon einige Rennen in den Beinen". Vorwürfe gibt es von ihm keine. "Ich bin beim letzten Sprung gestürzt. In Kitz gibt es vorher schon fünf Stellen, die viel gefährlicher sind."

Dauerthema Sicherheit

Macartneys Sturz war vergangenen Winter ein erster Warnschuss gewesen. Matthias Lanzingers Unfall am Saisonende hat dann eine Riesendiskussion um das Thema Sicherheit ausgelöst und zu weitreichenden Folgen geführt. Lanzinger klagt nun die FIS, den Veranstalter und das Krankenhaus. Und in Kanada las Renndirektor Günter Hujara nicht nur nochmals eindringlich aus der Athletenvereinbarung vor, sondern überraschte die Coaches auch mit Hinweisen darauf, dass offenbar Versicherungen gerade den Sport genau durchleuchten.

"Ich habe das Rennen in Kvitfjell für eine Website kommentiert und praktisch live gesehen. Für jemand wie mich war das damals ein echter Horror", gestand Macartney nun in Kanada. Er könne nicht sagen, ob bei Lanzinger Fehler passiert seien. "Auf jeden Fall ist bei ihm viel schief gegangen, während ich in Kitzbühel eine perfekte Versorgung hatte und innerhalb von 20 Minuten im Krankenhaus war. Ich hatte alles Glück dieser Welt und kann deshalb nur hoffen, dass es künftig überall so ist wie bei mir in Kitz und nicht wie bei Matthias in Norwegen." Eines ist aber auch Macartney klar. "Risiko und Gefahr sind Bestandteile dieses Sports.

"Die Strecke hier liegt mir"

Kröll bestätigte mit Platz zwei das ÖSV-Training in Sun Peaks, wo er meist hinter Walchhofer Zweitschnellster gewesen war. "Die Strecke hier liegt mir", meinte der Steirer, der nach seiner schweren Knieverletzung eine Saison zum Vergessen hinter sich hat, nun aber wieder deutlichen Aufwind verspürt. "Ich hoffe, dass es bald zum Gewinnen reicht!" Walchofer selbst hatte bis zu Krölls Fahrt gewartet und kommentierte diese, aber auch Platz fünf für Mario Scheiber positiv. "Das bestätigt, dass die Mannschaft gut drauf ist und dass man im Training nicht mit Blinden trainiert hat."

Benjamin Raich hatte am Mittwoch 1,42 Sek. Rückstand auf Miller. Der Tiroler wird nach dem zweiten Training entscheiden, ob er an der Abfahrt teilnimmt. Im Super-G ist Raich Fixstarter. Obwohl mit Andi Buder und Hans Grugger zwei Abfahrer verletzungsbedingt in Kanada fehlen, muss einer aus dem Duo Thomas Graggaber/Hannes Reichelt in der Abfahrt stehen, falls Raich startet. Für den Super-G hat Kröll derzeit die besten Karten. (APA)

Ergebnisse vom Abfahrts-Training der Herren am Mittwoch in Lake Louise (Stand nach 53 von 90 Startern):

 1. Bode Miller (USA)              1:47,22 Minuten
2. Klaus Kröll (AUT) + 0,08 Sekunden
3. Michael Walchhofer (AUT) 0,18
4. Didier Cuche (SUI) 0,26
5. Mario Scheiber (AUT) 0,33
6. Peter Fill (ITA) 0,39
7. Marco Sullivan (USA) 0,57
8. Didier Defago (SUI) 0,62
9. Marco Büchel (LIE) 0,65
10. Aksel Lund Svindal (NOR) 0,73
Weiter:
21. Benjamin Raich (AUT) 1,42
22. Hermann Maier (AUT) 1,44
24. Peter Struger (AUT) 1,50
27. Christoph Gruber (AUT) 1,63
29. Georg Streitberger (AUT) 1,75
32. Christoph Alster (AUT) 1,97
33. Thomas Graggaber (AUT) 1,99
49. Hannes Reichelt (AUT) 2,35
43. Stephan Görgl (AUT) 2,78
73. Romed Baumann (AUT) 4,04

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