Konzertpalast als Millionengrab

27. November 2008, 15:05
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Für ihr neues gigantisches Wahrzeichen, die Elbphilharmonie, müssen Hamburgs Steuerzahler teuer bezahlen

Die Elbphilharmonie wird gleich dreimal so viel kosten wie geplant. Trotz massiver Proteste zieht der Senat das Projekt durch.


Hamburg/Berlin - Es war ein höchst unangenehmes Eingeständnis, zu dem sich die parteilose Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck diese Woche gezwungen sah. "Es ist klar, dass wir jetzt in einem Tal der Tränen sind." Im Tal - unten also, dabei sollte es in der Hansestadt doch recht steil nach oben gehen.

"Wir bauen uns ein Wahrzeichen", frohlockt der Senat seit Monaten. In der neuen Hafencity, der "aufregendsten Baustelle Deutschlands", soll ein Konzerthaus entstehen, das den Vergleich mit dem spektakulären Opernhaus im australischen Sydney nicht scheuen muss. 110 Meter hoch wird der markante, wellenförmige Glasbau der Schweizer Architekten Herzog de Meuron. Auf einem alten Kakao-Speicher, der an drei Seiten von Wasser umgeben ist, thronen 16.000 Quadratmeter Glasfassade.

Auch im Inneren des Prestigebaus - nur Superlative: Der große Konzertsaal bietet 2150 Besuchern Platz, Orchester und Dirigent stehen mitten im Raum, die Zuhörer sitzen wie in einem Kessel darum herum. Neben zwei weiteren Sälen sind auch noch eine Plaza mit Ausblick auf Hafen und Stadt, ein Fünf-Sterne-Hotel und Luxus-Wohnungen in Planung. Kostenpunkt: 186 Millionen Euro, 77 Millionen davon für die Stadt - so lautete einst der Plan. Doch mittlerweile ist klar: Das ehrgeizige Projekt wird mindestens eine halbe Milliarde Euro kosten. Davon muss die Stadt Hamburg, also der Steuerzahler, 323 Millionen Euro berappen, den Rest bringen Sponsoren und Investoren auf.

"Hier ist ein Maß an Dilettantismus zutage getreten und auch an grober Fahrlässigkeit, die man nicht einfach so hinnehmen kann", schimpft Frank Neubauer, Vorsitzender des Hamburger Steuerzahlerbundes. Der Vorwurf an den Senat: Er habe den "eher künstlerisch orientierten Architekten" zu viele Änderungswünsche zugesagt. Erschwerend kommt hinzu, dass an dem vom Essener Baukonzern Hochtief erstellen Mega-Projekt 170 Menschen mit der Planung befasst sind. Selbst die Kultursenatorin räumt ein, dass die Kommunikation nicht klappt. Es sei wie beim "Turmbau zu Babel", höhnen Hamburger Zeitungen: Alle bauen mit, aber sie verstehen einander nicht.

Kein Weg zurück

Entsetzt ist auch die Opposition: Während die Linkspartei der schwarz-grünen Regierung penibel vorrechnet, wie viele Schulen man um das Geld bauen könnte, kritisiert SPD-Fraktionschef Michael Neumann: "Ich bin fassungslos. Der Senat hat ein bundesweit beachtetes Kulturprojekt lächerlich gemacht."

Doch für Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt es keinen Weg zurück. Den grünen Koalitionspartner weiß er dabei an seiner Seite. "Hamburg kann sich eine Bauruine an so prominenter Stelle nicht leisten", räumt Fraktionschef Jens Kerstan ein. Neue Schulden will die Stadt nicht machen. Man greift auf Rücklagen aus Steuermehreinnahmen zurück. Froh, dass das Projekt nicht eingestellt wird, ist Generalintendant Christoph Lieben-Seutter, ein Österreicher. Der ehemalige Chef des Wiener Konzerthauses plant bereits die Eröffnungsfeier, die im Mai 2012 stattfinden soll - ein Jahr später als zunächst vorgesehen. (Birgit Baumann / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.12.2008)

 

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    So soll die Elbphilharmonie im Hamburger Hafen aussehen, wenn sie ab 2012 bespielt wird. Der Prestigebau in der Hansestadt wird jedoch deutlich teurer als zunächst geplant.

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