Beschämende Worte am "Runden Tisch"

26. November 2008, 19:32
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Verbale "Verstrachung" der grünen Opposition? - Ein Kommentar der anderen von David Gulda

Montag, 24. 11. 2008, 22.45 Uhr: Es herrschte der Krieg der Worte an Ingrid Thurnhers "Rundem Tisch" - als wäre noch Wahlkampf. Angesichts der Verbalattacken der Obleute der drei Oppositionsparteien im österreichischen Parlament gegen Maria Fekter und Rudolf Hundstorfer verdient deren Selbstbeherrschung Bewunderung.
Für die Bürger und Bürgerinnen dieses Landes ist es allerdings zutiefst beschämend, welcher Sprache sich die Herren Strache und Scheibner sowie Frau Glawischnig bedienen. Diese Herrschaften warfen den beiden anderen vor, mit der Koalitionsvereinbarung einen "Bauchfleck" gelandet zu haben und dass sie damit nur "heiße Luft" verbreiten würden und dass der eine den anderen "am Nasenring herumführen würde" usw.
Nicht einmal jenes Minimum an Respekt für die jeweils andere Seite wurde aufgebracht, das alleine die sachliche Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen politischen Standpunkten gestattet.

Ausgerechnet jene Frau Glawischnig, die dem bedächtigen Formulierer Van der Bellen nachfolgte, verstieg sich zu der Äußerung, dass sich die neue Regierung ihre Sozialvorhaben angesichts der Wirtschaftsflaute "... in die Haare schmieren" könne. Wenn die Grünen versuchen sollten, durch die Imitation des verbalen Stils von FPÖ und BZÖ mehr Zuspruch zu bekommen, dann dürften sie sich täuschen. Jedenfalls werden sich jene von ihnen angewidert abwenden, denen neben richtigen politischen Inhalten auch ein Mindestmaß an Benehmen in der politischen Arena wichtig ist. Dass Blau und Orange weder das eine noch das andere bieten, mussten wir schon zum Überdruss zur Kenntnis nehmen. Auf weitere Beweise in Form runder Tische oder sonst kann gerne verzichtet werden.

Von dem aggressiven Sprachsumpf, in dem Blau, Grün und Orange wühlen, hoben sich die beiden Mitglieder der zukünftigen Regierung wohltuend ab. Wenn Zank und Hader in der österreichischen Politik von ihren Kritikern im In- und Ausland zu Recht bemängelt werden, dann trifft der Vorwurf seit diesem Montag nur die Opposition. Die beiden Regierungskoalitionäre gaben sich alle Mühe, sich nicht auf deren Untergrundniveau herabziehen zu lassen. Möge es so bleiben. Dann hätten Faymann und Pröll im Interesse des Ansehens dieses Landes schon viel erreicht. Wir sind ja bescheiden (geworden). (David Gulda/DER STANDARD-Printausgabe, 27. November 2008)

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