Gusenbauers gute Laune

26. November 2008, 19:18
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Etwas ist von ihm abgefallen: die österreichische Politik

Seit dem Frühsommer - seit es feststeht, dass er nicht mehr Kanzler sein wird - war Alfred Gusenbauer unheimlich gut gelaunt. Er lachte viel und dauerhaft in der Öffentlichkeit, auch in jenen letzten Tagen, da es ernst wurde mit dem Auszug aus dem Kanzleramt. Aber auch im vertrauteren Gespräch war er bemerkenswert entspannt und gut aufgelegt.

Merkwürdig. Sein Sandkastentraum (Achtung: das war immer Selbstironie, aber Selbstironie ist hierzulande verdächtig) ist doch spektakulär gescheitert? Kann es sein, dass Gusenbauer in Wahrheit erleichtert ist? Dass ihn die Politik des DerkleineMannhatimmerrechtklasseBurschensammawashotdieKrone-gschriem anödete?
Gusenbauer ist ein Analytiker und in vielen Sachfragen beeindruckend sattelfest. Der eiserne Hintern in den "Gremien" fehlte ihm jedoch, und das überzeugende populistische Anlügen der "Menschen da draußen" beherrschte er nicht so gut. Das weiß er vermutlich auch. Er wird sich unweigerlich die Frage stellen (müssen), was hätte sein können. Aber seine gute Laune jetzt ist nicht nur gespielt. Etwas ist von ihm abgefallen: die österreichische Politik. (Hans Rauscher, DER STANDARD-Printausgabe, 27. November 2008)

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