Wintersportorte starten in die Drogensaison

26. November 2008, 18:50
49 Postings

Skilehrer und Wirte als Dealer - Kripo: Es sei vielfach üblich, Kokain gleich an der Bar zu ordern - Beim Skilehrerverband spricht man von Einzelfällen

Mit den ersten Wintersportlern kommen auch die ersten Drogen. Meist werden partyverlängernde Substanzen wie Kokain oder Ecstasy konsumiert. Laut Kripo soll es den Stoff fallweise auch an der Bar geben - Von Thomas Neuhold

Salzburg - Dicke Luft zwischen den Salzburger Touristikern und der Polizei. Hoteliers und Skilehrerverband sind über Aussagen eines Salzburger Kriminalisten empört. Kripo-Beamter Christian Voggenberger hatte gegenüber dem ORF-Lokalradio den Vorwurf erhoben, dass als Dealer oft Skilehrer, Gastronomen und Saisonniers fungierten. Man wisse nach Zeugenaussagen, dass es vielfach üblich sei, Kokain gleich an der Bar zu ordern. Namentlich genannt hat Voggenberger das Wintersportzentrum Obertauern. Hier laufen ja seit Anfang der Woche die ersten Lifte.


Die von dem Kripo-Beamten öffentlich an den Pranger gestellten Berufsgruppen weisen die Anschuldigungen scharf zurück. Beim Skilehrerverband spricht man von Einzelfällen, die Salzburger Hoteliervereinigung glaubt nicht, dass jemand aus ihren Reihen mit Drogen Geschäfte macht.

Cannabis bis Kokain

Unabhängig von der Frage, wer letztlich die verbotenen Substanzen beim Après-Ski unter die Partygäste bringt, zeigen die Zahlen klar, dass die Wintersaison in den Skigebieten gleichzeitig auch Drogensaison ist. Ermittlungen in der Lungauer Szene vergangenen Winter beispielsweise hatten ergeben, dass zwölf im Gastgewerbe in Obertauern und anderen Wintersportorten Beschäftigte mit Suchtgift gehandelt hatten. Die Palette reichte von Cannabis über Amphetamine bis hin zu Kokain. Dass es außerhalb der Saison in Obertauern so gut wie keine Drogenprobleme gibt, liegt an der Struktur. Im Sommer wohnen hier rund 200 Menschen, im Winter sind es weit über zehntausend Beschäftigte, Übernachtungs- und Tagesgäste.

Vervierfachung der Drogendelikte

Besonderes Augenmerk legt die Exekutive auf Großveranstaltungen in Touristenzentren. Eine derartige ist beispielsweise die alljährlich stattfindende "Rave on Snow"-Party in Saalbach-Hinterglemm. Zu der Veranstaltung kommen Jahr für Jahr einige tausend - meist jüngere - Besucher. Vergangenes Jahr wurden vor allem größere Mengen Kokain und erstmals auch Liquid Ecstasy sichergestellt.
Salzburg steht aber mit dem Phänomen erwartungsgemäß nicht allein da. Auch aus den Tiroler Skigebieten wird eine Vervierfachung der Drogendelikte während der Wintersaison gemeldet.


Jagatee und Wodka-Feige


Neben den partyverlängernden illegalen Substanzen spielt während und nach dem Pistenspaß der Alkohol eine zentrale Rolle. Jagatee zum Aufwärmen, Wodka-Feige im Vorbeifahren, Bier gegen den Durst. Interessantes Detail: Die Schlussfolgerung, der Alkoholkonsum führe unmittelbar zu hohen Unfallzahlen, bestätigen die Mediziner auf den Gipsstationen nicht. Harte Pisten, stark taillierte Skier, Selbstüberschätzung, mangelnde Kondition wurden vergangenen Saison vom Unfallkrankenhaus Schwarzach als Unfallursachen angegeben. Alkoholisierung spiele eine untergeordnete Rolle, so die Analysen aus Schwarzach. (DER STANDARD Printausgabe 27.11.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach dem ersten Schneefall staubt's in den Wintersportgebieten auch abseites der Pisten: An "Schnee" manglt es offenbar nie

Share if you care.