Pröll beim Präsidenten, Plassnik bei Strudl

26. November 2008, 17:55
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VP-Chef bespricht mit Fischer "neuen Stil" - Krone attackiert Außenministerin weiter - Mit Video

Wien - In fünf Tagen, am Dienstag den 2. Dezember, darf er dann schon im rot-schwarzen Tross in die Hofburg einziehen und als Vizekanzler und Finanzminister ausziehen. Am Mittwoch musste der designierte ÖVP-Chef Josef Pröll noch als Umweltminister zu Bundespräsident Heinz Fischer kommen. Man habe in dem halbstündigen Gespräch über die Abläufe der kommenden Tage und die Details der Angelobung, aber auch den gelobten "neuen Stil" gesprochen.

Gut möglich, dass das immer wieder auf die EU-Politik Bezug nehmende Staatsoberhaupt auch ein paar Fragen zum Rücktritt der schwarzen Galionsfigur für die Europapolitik, Außenministerin Ursula Plassnik, hatte. Zumal Fischer nicht als Kronzeuge für die SPÖ-Position in Sachen nationale EU-Volksabstimmungen taugt, im Gegenteil. Ein gewisses Interesse an den Umständen rund um den Abgang der Außenministerin und die europapolitische Konstitution der "Plassnik-freien" Koalition ist daher nicht ausgeschlossen.

Ein starkes Interesse an der "Plassnik-Freiheit" des rot-schwarzen Kabinetts gibt es jedenfalls in der Krone, die diese seit Sonntag täglich bejubelt. Wolf Martin applaudierte Werner Faymann und Josef Pröll, weil es so unerwartet schnöll, ähm, schnell gegangen sei mit der neuen Regierung: "Und sie ist endlich Plassnik-frei. Ein dreifach Hoch der Volkspartei!"

Auch "Herr Strudl" sinnierte am Mittwoch beim Kaffee und Hund über "die Plassnik" und warf ihr vor, "das Volk" nicht vertreten zu haben, "natürli net" , ganz im Gegensatz zu seinem Herausgeber. Im "Thema des Tages" wurde gemutmaßt, dass sich für die im Sperrfeuer des Krone stehende ÖVP-Ministerin "sehr bald niemand mehr interessieren" werde nach deren "theatralischem Abgang" . Tags zuvor weinte Cato, das Alter Ego von Herausgeber Hans Dichand, Plassnik "keine Träne nach" , wünschte ihr aber "auf ihrem weiteren Weg nur Gutes und viel Erfolg" .

Aus der ÖVP gibt es keine offiziellen Aufwertungen der Krone-Ausfälle gegen Plassnik, die "Rückendeckung" für die eigene Ministerin erschöpft sich darin, ihre Entscheidung zur Abkehr von Rot-Schwarz "zu respektieren" . Ein genervter ÖVP-Stratege erinnert angesichts des Krone-Sperrfeuers auf Plassnik an das SPÖ-Wahlkampfversprechen, ja kein Dirty Campaigning zu betreiben, sondern alles schön sauber zu halten. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures habe sogar ein Fairness-Abkommen gewollt. "Und jetzt das große Schweigen, nur weil wer anderer für sie den Schmutz auf die ÖVP wirft?" , fragt der Stratege, der der SPÖ eigennützige Doppelbödigkeit vorwirft. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 27. November 2008)

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