Wenn die Anziehung zwischen den Geschlechtern buchstäblich elektrisch wird

30. November 2008, 12:07
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Elefantenfische erzeugen ein Feld, das sie nicht nur Beute erkennen lässt, sondern auch potenzielle Paarungspartner von Exemplaren verwandter Spezies unterscheiden hilft

London/Potsdam - Nicht nur unmittelbare Körpermerkmale dienen zur Identifizierung potenzieller Paarungspartner - auch ein elektrisches Feld kann im wahrsten Sinne des Wortes attraktiv machen: Afrikanische Elefantenfische nutzen ihr Strom erzeugendes Organ nicht nur zur Nahrungssuche in den schlammigen Flüssen Zentralafrikas, sondern offensichtlich auch zur Paarungsvorbereitung. Die Evolutionsbiologen Philine Feulner und Ralph Tiedemann von der Universität Potsdam haben in einer nun publizierten Studie im Fachmagazin "Biology Letters" herausgefunden, dass das spezifische Feld auch dazu dient, nur Fische der gleichen Spezies aufeinander treffen zu lassen - nicht auf Exemplare aus der näheren Verwandtschaft, die ebenfalls über die Fähigkeit verfügt ein elektrisches Feld zu erzeugen.

Das elektrische "Erkennungssignal" trägt dazu bei, den Gen-Austausch zwischen äußerlich kaum unterscheidbaren Spezies in ein und demselben Flussbecken im Kongobecken einzuschränken. Die Fische der Spezies Campylomormyrus rhynchophorus, die von Aquarianern auch als Elefantenfisch, bezeichnet werden, gehören zu den schwach elektrischen Fischen. Mit einem eigenen Organ können die Tiere ein schwaches elektrisches Feld in der Größenordnung von einem bis zwei Volt erzeugen - durch Störungen in diesem Stromfeld können die Tiere Beutetiere aufspüren. "Wir haben entdeckt, dass die Stromentladungen bei den verschiedenen Fisch-Spezies unterschiedlich lang sind und sie sich allein dadurch schon deutlich voneinander unterscheiden", so Tiedemann. Das Frappante daran sei, dass die näher miteinander verwandten Arten sich ganz besonders stark voneinander unterscheiden, erklärt der Forscher.

Im Aquarien-Versuch bestätigte sich die Vermutung der Forscher schließlich: Bei der Konfrontation verschiedenen männlicher Fischarten in einem Becken mit einem Weibchen hielt sich das Weibchen bevorzugt in der Nähe des Männchens der eigenen Art auf - und das obwohl die Tiere durch feine Gitternetze von einander getrennt waren. Eine Testwiederholung mit künstlichen Stromquellen bestätigte die Vermutung der Wissenschaftler. "Die einzelnen Spezies der Elefantenfische können sich wahrscheinlich nicht miteinander paaren", erklärt Tiedemann, "Obwohl die Fische neben einander im Fluss leben, sich also den gleichen Lebensraum miteinander teilen, haben sie sich genetisch völlig anders entwickelt", so der Evolutionsbiologe. (pte/red)

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