Billa sieht harte Zeiten vor sich

26. November 2008, 18:41
12 Postings

Handelskette muss Mehrkosten verdauen und gibt nach Adeg-Kauf eigene Läden ab

Wien - Der Konsumzurückhaltung der Österreicher kann sich der Lebensmittelhandel nicht entziehen. Die Konsumenten greifen zu günstigeren Produkten, sagt Josef Siess, Vorstand der Billa AG. Die Biosparte der Rewe lege heuer anders als früher nur einstellig zu. Bei der Billigmarke Clever gebe es stattdessen zweistellige Wachstumssprünge.

Billa erreiche 2008 die gesteckten Umsatz- und Gewinnziele. Das kommende Jahr werde jedoch alles andere als einfach. Der neue Kollektivvertrag schlage mit höheren Fixkosten in Höhe von gut 20 Mio. Euro durch. Für Energie müsse um 16 Mio. Euro mehr bezahlt werden, rechnet Vorstandssprecher Volker Hornsteiner vor. "Wir müssen das durch Rationalisierung abfedern."

Gespart wird etwa beim Einkauf. Rewe hat wie berichtet Lieferanten von Adeg aufgefordert, ihre Konditionen offenzulegen. Ein aus Sicht des Verbands der Lebensmittelindustrie rechtlich nicht unbedenklicher Schritt. Wer an eine der beiden Ketten bisher teurer geliefert hat, muss die Preise nun rückwirkend bis Juli nach unten anpassen.

Das sei keine Erpressung der Lieferanten, betont Siess, sondern legitimes Vorgehen. Auch für Penny werde schließlich nicht teurer eingekauft als für Billa. Wird geheiratet, hofft der Handel auf Geschenke, sagt ein betroffener Produzent in Anspielung auf einen kolportierten zusätzlichen Hochzeitsbonus. In Zeiten der Rezession seien diese Forderungen für jeden Erzeuger ein Problem. Rewe selbst weist etwaige Boni entschieden zurück.

Was die von Brüssel geforderten Auflagen für den Adeg-Kauf anbelangt, so werde man sie bis Mitte 2009 erfüllen, sagt Siess. Da die Bereitschaft der Adeg-Kaufleute, unter ein anderes Dach zu wechseln, gering sei, werde Rewe rund zehn eigene Billa- und Penny-Märkte abgeben. Wie viele genau, sei noch nicht fix, es seien jedenfalls keine mit negativem Deckungsbeitrag.

Billa hat heuer 80 Standorte generalsaniert, ebenso viele Umbauten sollen 2009 folgen. Die Zahl der Arbeitsplätze werde zudem um etliche hundert aufgestockt. Am achten Dezember bleiben alle Standorte der Kette geschlossen. Billa sehe sich darin als Vorreiter, auch wenn man dadurch acht bis zehn Millionen Euro Umsatz liegen lasse.

Auch in Russland trotzt Billa der Finanzkrise. Bis Jänner will Billa Russia, die zu 75 Prozent Rewe und zu 25 Prozent der Marta Holding gehört, acht neue Filialen eröffnen. In Kursk sollen im Dezember fünf Shops in frühere Grossmart-Standorte einziehen. Damit will die Kette, die über ein Netz von 38 Supermärkten in Moskau und Tula verfügt, auch in anderen russischen Regionen expandieren. In das Projekt wurden rund zehn Millionen Dollar investiert. "Unsere Expansionspläne in Russland sind unabhängig von der Finanzkrise", sagte ein Sprecher der Rewe Group in Köln. Der Konzern werde heuer in Russland zweistellig zulegen.

Im Oktober sind dort die Einzelhandelsumsätze nur verhalten gewachsen. Die zehn größten russischen Ketten forderten bereits eine staatliche Unterstützung. (vk, ved, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2008)

Share if you care.