Woolworths wird verschleudert

27. November 2008, 18:36
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Die britische Warenhauskette hat Insolvenz angemeldet, das fast 100 Jahre alte Unternehmen hat 455 Millionen Euro Schulden, 30.000 Jobs sind in Gefahr

In Großbritannien schlägt die Wirtschaftskrise mit voller Wucht auf den Einzelhandel durch. Am Mittwochabend musste die traditionsreiche Kaufhaus-Kette Woolworths den Gang zum Konkurs-Gericht antreten, nachdem verzweifelte Verkaufsgespräche gescheitert waren. Die 815 Filialen mit 30.000 Mitarbeitern sollen mindestens bis Anfang 2009 geöffnet bleiben, teilte Insolvenzverwalter Deloitte mit.

Das ursprünglich aus den USA stammende Billig-Kaufhaus blickt auf der Insel auf eine stolze Tradition zurück. Der ersten, 1909 in Liverpool eröffneten Filiale, folgten binnen weniger Jahre hunderte, deren Mischung aus Kleidung, Süßwaren, Spielzeug, Büchern und Elektronik-Artikeln zum Erfolgsmodell wurden.

Onlinehandel verstärkt Niedergang

Der Niedergang kündigte sich bereits in den 1970er-Jahren an und verstärkte sich durch den Online-Handel. Allzu viele Filialen machten einen schäbigen Eindruck. Woolworths-Kunden hätten zunehmend "das Gefühl bekommen, Verlierer zu sein", argumentiert Einzelhandels-experte Jeremy Baker von der Londoner Metropolitan-Universität. "Die Leute haben sich an immer höhere Standards gewöhnt, aber Woolworths hat sich nicht weiterentwickelt."

Die schwelende Krise des Unternehmens spitzte sich ausgerechnet im 100. Jahr des Bestehens zu. Banken und Kreditversicherer entzogen Woolworths das Vertrauen, zuletzt verhandelte der Vorstand vergeblich mit dem Restrukturierungs-Spezialisten Hilco UK über eine mögliche Übernahme der Schulden von 485 Mio. Euro.

Preiskrieg erwartet

Nun erwarten Branchenexperten einen Preiskrieg; die Verwalter wollen möglichst viele Woolworths-Waren verkaufen, um Filialen besenrein übergeben zu können. Es gebe bereits eine Reihe von Interessenten, hieß es bei Deloitte, sowohl für die Filialen wie auch für die Großhandelstochter Entertainment UK, die Supermärkte mit DVDs beliefert.

Die zwölf Filialen der F.W. Woolworth Co. GmbH mit Sitz in Linz sind vom Kollaps nicht betroffen. Sie haben "nichts mit der britischen Kette zu tun", wie Woolworth Deutschland betont. Deren 1998 im Rahmen eines Management-Buyout abgespaltenes Filialnetz wird sogar ausgebaut, 2009 will die über die DWW-Group in London dem internationalen Finanzinvestor Argyll Partners gehörende kontinentale Woolworths sogar neue Filialen eröffnen.(Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.11.2008)

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    Aus nach 100 Jahren.

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