Rezession bremst deutsche Güterbahn

26. November 2008, 14:18
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Mehdorn erwartet Einbruch im Dezember um 40 Prozent - Tausende Stellen betroffen - Gewerkschaft: Horror­szenario vor Tarifrunde

Berlin  - Der Produktionsrückgang in der deutschen Industrie bremst nun auch den Schienengüterverkehr aus: Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn kündigte einen Rückgang der Leistungen um 40 Prozent im Dezember an. Er schloss Stellenabbau bei Leiharbeitern nicht aus. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, sagte der AP am Mittwoch, es gebe Pläne, ganze Rangierbahnhöfe wochenlang zu schließen. Davon seien 10.000 Arbeitnehmer betroffen.

Mehdorn wollte nicht vorhersagen, wie es nach den Schließungen der Autowerke etwa im Jänner weiter gehe. "Sehr schwierig", sagte er lediglich. Er verneinte, dass Rangierbahnhöfe vollständig stillgelegt werden sollten. Der Verkehr werde verdichtet. Er bestätigte allerdings Transnet-Angaben, dass Weihnachtspausen verlängert und Urlaub und Überstunden abgebaut würden.

Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack begründeten die Maßnahmen mit Konjunkturabschwächung und Finanzkrise. Auto-, Chemie- und Stahlindustrie würden ihre Bahntransporte drastisch zurückfahren.

Rückgang der Verkehrsleistung

Im Oktober habe die Verkehrsleistung bereits vier Prozent unter den Planvorgaben gelegen. Binnen zweier Monate habe es "unerwartet starke" Bewegung im Güterverkehr gegeben, sagte der Bahnchef. Er rechne auch im Personenverkehr mit zurückgehenden Verkehrsergebnissen, die er aber nicht näher bezifferte. Das Jahresergebnis der Deutschen Bahn falle trotzdem bei Gewinn und Umsatz positiv aus und liege über Plan, ergänzte Sack. Beim Neunmonatsbericht Anfang des Monats hatte er neun Prozent Umsatz- und zwölf Prozent Vorsteuergewinn gemeldet.

Wegen der unsicheren Lage will die Bahn fest auf die Kostenbremse treten, "mit Ausnahme von Sicherheit und Kundenservice", beteuerte Mehdorn. Das bedeute, man sei "sehr vorsichtig bei Einstellungen". Investitionen, die nicht dringend nötig seien, würden verschoben.

Zu den Konsequenzen für die Belegschaft sagte der Finanzchef: "Stellenabbau bei Leiharbeitern ist möglich." Die Deutsche Bahn beschäftigt derzeit gut 4.000 von ihnen. Transnet sprach von rund 10.000 Mitarbeitern, die von den vorübergehenden Einschränkungen im Güterverkehr betroffen seien.

Neuer Gewerkschaftsvorsitzender

Der am Montag gewählte Gewerkschaftsvorsitzende Kirchner, den Mehdorn als "kompetenten, harten Knochen" charakterisierte, bezeichnete die Pläne als "nicht durchdacht". Würden vorübergehend und regionsweise Rangierbahnhöfe stillgelegt, habe das nachteilige Auswirkungen auf die 60 Prozent Verkehrsleistung, die übrigblieben, und die würden sich dann womöglich von der Bahn abwenden.

Betriebsräte hätten beim Transnet-Kongress in Berlin erklärt, dass die Rückgänge eine vollständige Schließung von Zugbildungsanlagen nicht rechtfertigten. Zu den Leiharbeitern sagte Kirchner: "Da bekommt die Bahn ein Problem." Die meisten hätten im Gegensatz zur Branche unbefristete Verträge mit Kündigungsfristen und unterlägen dem Beschäftigungsbündnis bis 2010. "Mehdorn versucht, Stimmung im Unternehmen vor der anstehenden Tarifrunde zu machen", mutmaßte Kirchner. Die Gewerkschaft kündigte Protestaktionen an.

Die aktuellen Tarifverträge laufen bis 31. Jänner 2009. Transnet und GDBA haben zehn Prozent Entgelterhöhungen für rund 150.000 Beschäftigte gefordert. Die erste Verhandlungsrunde soll laut Mehdorn noch im Dezember stattfinden. Der Bahnchef nannte es "verdrießlich", dass es kein Schiedsabkommen zwischen den Tarifparteien gebe. Es regelt den Streitfall und legt zum Beispiel die Rolle von Schlichtern fest. (APA/AP)

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