Zusammenlegung von Uni-Standorten möglich

26. November 2008, 14:33
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Wissenschaftsrat erarbeitet bereits Hochschulplan - Erster Entwurf im Frühjahr 2009 fertig - "Orchideenfächer" sind laut Hahn nicht gefährdet

Der im Regierungsprogamm erwähnte "Österreichische Hochschulplan" ist bereits in Arbeit. Damit beauftragt ist der Wissenschaftsrat, wie eine Sprecherin von Wissenschaftsminister Johannes Hahn im Gespräch mit derStandard.at berichtet. Die darin erwähnte "Standortoptimierung" meine, wie vom Innsbrucker Rektor Karlheinz Töchterle befürchtet, die mögliche Zusammenlegung von Uni-Standorten. Genaueres könne man dazu noch nicht sagen.

Verhältnisse zwischen Hochschulen

Auch Jürgen Mittelstraß, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, will gegenüber derStandard.at noch keine konkreten Vorschläge nennen. Er bestätigt, bereits im Spätsommer im Auftrag des Ministeriums mit der Entwicklung des Hochschulplans begonnen zu haben. Erste Ergebnisse sollen im Frühsommer des nächsten Jahres vorliegen.

Wie die Standortoptimierung genau aussehen wird, das will Mittelstraß noch nicht sagen. Der Wissenschaftsrat will das Verhältnis zwischen den Hochschulen - also sowohl Unis und FHs als auch Privatunis und Pädagogische Hochschulen - analysieren.

Perspektivenpapier als Grundlage

Mittelstraß nennt gegenüber derStandard.at die Schwerpunkte des Hochschulplans:

  • Die funktionale Abstimmung zwischen den einzelnen Hochschultypen
  • Die Abstimmung der Standorte
  • Mögliche Formen der Kooperation zwischen den Hochschulen
  • Und die Einbettung des österreichischen Hochschulsystems in internationale Entwicklungen

Als Grundlage sollen die "zehn Eckpunkte zur österreichischen Uni- und Wissenschaftspolitik" dienen, die erst vor wenigen Wochen veröffentlicht wurden. "Beim Hochschulplan sollen unsere Empfehlungen einfließen", erklärt Mittelstraß.

Im Perspektivenpapier des Wissenschaftsrates werden diese zehn Eckpunkte näher erläutert.

  • Hochschulsystem und Universität: Laut Mittelstraß ist das heimische System "naturwüchsig". Der Hochschulplan soll Strukturen schaffen und die Funktionen von FH und Unis abgrenzen
  • Finanzierung: Um das Regierungsziel "zwei Prozent des BIP für tertiäre Bildung" zu erreichen, muss laut Wissenschaftsrat der Haushalt der Unis bis 2020 verdoppelt werden. Die Ministersprecherin bedauert gegenüber derStandard.at, dass es für das genannte Ziel keinen Zeitrahmen gebe: "Angesichts der Finanzkrise ist das schwer festzulegen."
  • Institutionelle Perspektiven der Hochschulentwicklung: Der Wissenschaftsrat strebt eine Zusammenführung der Ressortzuständigkeit für alle Hochschulen in einem Ministerium an. Das heißt, auch für die Pädagogischen Hochschulen soll nicht das Unterrichts- sondern das Wissenschaftsministerium zuständig sein.
  • Autonomie und Hochschulsteuerung: Die Entwicklungspläne der Unis, die für die Leistungsvereinbarungen notwendig sind, müssen sich an das Entwicklungskonzept für das gesamte Universitätssystem halten.
  • Kooperation und Wettbewerb: "Weil heute selbst große Universitäten nicht mehr in der Lage sind, das volle fachliche und disziplinäre Spektrum abzudecken", empfiehlt der Wissenschaftsrat Kooperationen - vor allem in "dichten Wissenschaftsstandorten" wie Graz und Wien.
  • Forschung: Für die Zusammenarbeit zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung sollen sich ganze Einrichtungen zusammenschließen, sogenannte "Graduiertenkollegs".
  • Fächer- und Disziplinenausgleich: Ein solcher Ausgleich ist laut dem Perspektivenpapier dann erforderlich, wenn Fächer an mehreren Unis mit unzureichender Ausstattung angeboten werden oder zu verschwinden drohen. Als Lösung soll zum Beispiel ein Fächeraustausch zwischen benachbarten Unis statt finden. Dass als eine Maßnahme für den Fächerausgleich "Orchideenfächer" abgeschafft oder zusammengelegt werden könnten, verneint die Ministersprecherin: Hahn ist ein Verfechter der Orchideenstudien, das würde er sicher nicht machen."
  • Studienarchitektur und Studienqualität: Die Unis sollen noch mehr als bisher die im Bologna-Modell vorgesehenen Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Bei den PhD-Programmen ist den erkennbaren Tendenzen zur Verschulung entgegenzuwirken.
  • Zulassung: Es bedarf laut Wissenschaftsrat einschlägiger Auswahlverfahren, denn die Qualität der Unis hänge auch von der Qualität der Studierenden ab. Werden die abgegebenen Empfehlungen zu den Zulassungsregelungen in den Master- und Doktoratsstudien nicht berücksichtigt, werde das österreichische Hochschulsystem in der internationalen Entwicklung zurückfallen. Auch die Abschaffung der Studiengebühren müsse aus diesem Gesichtspunkt noch einmal überdacht werden.
  • Personalstruktur und akademischer Nachwuchs: Der Wissenschaftsrat will "dem wissenschaftlichen Nachwuchs bessere institutionelle Bedingungen schaffen, unter denen sich wissenschaftliche Selbstständigkeit früh entwickeln kann." Das soll zum Beispiel durch die Errichtung von Nachwuchszentren geschehen. Die im Regierungsprogramm erwähnte Umsetzung des Kollektivvertrags ist laut Ministerium nicht sicher.

Für die Entwicklung des Hochschulplans ist übrigens nur der Wissenschaftsrat und keine weitere Institution zuständig. "Wohin die Reise geht, das wird sich zeigen", meint Mittelstraß. (Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at, 26. November 2008)

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