Bregenzer Festspiele präsentierten ihr Programm für 2009

26. November 2008, 14:01
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Motto "Sinn und Sinnlichkeit": Üppige "Aida" auf dem See, Karol Szymanowski als Opernschwerpunkt

Bregenz - Die Bregenzer Festspiele steht 2009 mit Guiseppe Verdis Oper "Aida" als Spiel auf dem See (Premiere 22. Juli) und Karol Szymanowskis "König Roger" als Oper im Festspielhaus (Premiere 23. Juli) ganz unter dem Motto "Sinn und Sinnlichkeit". Szymanowski wird auch bei den Orchesterkonzerten eine wichtige Rolle spielen. Die dreiteilige Operettenreihe widmet sich aktuellen Themen wie Präsidentschaftswahl und Schönheitschirurgie. Das Theater an der Josefstadt gastiert mit "Lola" nach Heinrich Manns "Professor Unrat" in Bregenz, erstmals hat auch das Schauspiel Köln ein Gastspiel.

Insgesamt rund 90 Veranstaltungen werden von 22. Juli bis 23. August über die Bühnen der Festspiele gehen. Das Programm wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Elefant auf der Bühne

"Eine Wüstenoper auf dem Wasser", so beschrieben die Festspiel-Verantwortlichen die Oper "Aida", die in Bregenz von Graham Vick inszeniert wird. Musikalisch geleitet wird der Vierakter von Carlo Rizzi. Das Bühnenbild befinde sich bereits im Aufbau, die Bühne sei etwas nach hinten gewandert, um mehr Wasserfläche im Vordergrund zu erhalten. "Die wird auch bespielt werden", verriet Intendant David Pountney. Wie das Bühnenbild von Paul Brown aussehen wird, blieb vorerst noch geheim, nur soviel: "Es wird ein Elefant zu sehen sein" und es soll das höchste Bühnenbild der Festspiele bisher werden. Mit seiner "ganz simplen Story" habe Verdi viel Raum für die lyrische Musik des Stücks geschaffen. Das Publikum werde in diese Kraft über Sterne, den See und den Sonnenuntergang hineingeführt, so Pountney.

Die Hausoper "König Roger" von Karol Szymanowski, 1926 uraufgeführt, gilt als Meisterwerk der polnischen Musikliteratur. Pountney lobte vor allem die "unglaublich verführerische Musik". "Lauschen Sie und geben Sie sich hin!" - unter diesem emotionalen Motto stehen die vier Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des Symphonieorchesters Vorarlberg. Auf dem Programm stehen unter anderem Stücke von Szymanowski, Mozarts Klarinettenkonzert, ausgewählte Klavierstücke von Chopin, Alexander Skrjabin "Le poeme de l'extase" sowie Wagners zweiter Akt aus "Tristan und Isolde".

Das Operetten-Programm der Festspiele zieht 2009 vom Kornmarkttheater ins Festspielhaus um. Drei Werke führt die englische Opera North aus Leeds in einem dreitägigen Gastspiel vor. Schostakowitschs "Paradies Moskau" macht am 15. August den Anfang, es folgt Gershwins "Für Dich Baby! - Of Thee I Sing", den Abschluss am 17. August bildet David Sawers neue Musiksatire "Hautnah" über den Schönheitswahn.

Neuer "Unrat"

"Sinn und Sinnlichkeit" finden sich auch im Schauspiel-Programm. Im Kornmarkttheater gastiert das Theater an der Josefstadt mit "Lola", einer Neudramatisierung von Heinrich Manns "Professor Unrat". Premiere ist am 19. August. Zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen zu sehen sein wird das Schauspiel Köln. Am 20. August startet "Affäre mit Geistern" des lettischen Autors Alvis Hermanis.

Innovative Wege gehen die Festspiele wie immer in ihrer zeitgenössischen Schiene "KAZ - Kunst aus der Zeit". Drei Komponisten wurden für "My Musig" beauftragt, sich mit Vorarlberger Musik zu beschäftigen. Das Musiktheater führt unter anderem zwei neue Werke von Harrison Birtwistle auf, das Wiener Produktionshaus gastiert unter dem Titel "brut@Bregenz" erstmals am Bodensee. Abgerundet wird das Angebot vom Kinder- und Jugendprogramm "crossculture" mit Workshops und Backstage-Tours.

Gute Zahlen

2008 sei "gut gelaufen", so Festspielpräsident Günter Rhomberg im Rückblick zu Beginn der Programmpräsentation. Die Festspiele hätten sich in der programmatischen Entwicklung immer weiter an die zeitgenössische Kunst herangewagt, zukünftig wolle man ins 21. Jahrhundert vorrücken und auch für die Hausoper Auftragswerke vergeben, so Rhomberg. Die Festspiele seien trotz immer weniger werdenden Subventionen derzeit "in guter Position", man achte sehr auf die Eigenleistung und auf gute kaufmännische Führung.

Ohne Sponsoren wäre ein Programm in dem Umfang aber nicht möglich, betonte Intendant David Pountney. Man sei den Hauptsponsoren IBM, UBS und den Casinos Austria angesichts der wirtschaftlichen Lage "doppelt dankbar", dass sie ihre Unterstützung weiterführten. Auch die Freundeskreise tragen zur Finanzierung bei. So überreichte etwa der deutsche Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele kürzlich 80.000 Euro. Damit finanziere er die Operette der kommenden Saison, hieß es. Das Jahresbudget der Bregenzer Festspiele beträgt nach eigenen Angaben 20 Mio. Euro, davon sind 5,5 Mio. Euro Subventionen. 1,3 Mio. Euro bringen Sponsoren auf.

Der neue kaufmännische Direktor Michael Diem erklärte, er sei "guter Dinge", eine gute Auslastung für 2009 erzielen zu können. Mehr als 200.000 Karten seien aufgelegt. Bereits derzeit habe man eine Auslastung von 40 Prozent für die kommende Saison erreicht. Mit verschiedenen Rabatt- und Abo-Aktionen sollen die Besucher zur Buchung mehrerer Veranstaltungen angeregt werden.

Man habe zudem zum Auftakt der neuen Saison die Werbelinie der Festspiele überarbeitet, erklärte Diem. Auch die Homepage der Bregenzer Festspiele hat einen Relaunch erfahren, man habe etwa die Ticketbestellungsfunktion verbessert und benutzerfreundlicher gestaltet. Der Grund für das besondere Augenmerk auf das Web liegt auf der Hand: "Ein Drittel aller Tickets werden inzwischen über das Internet verkauft, Tendenz steigend", erklärte Diem. Die Website bregenzerfestspiele.at sei damit die erfolgreichste Vorverkaufsstelle. (APA)

 

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