In Maier brennt weiter das Feuer

26. November 2008, 10:51
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Überform im Sommer­training als Ansporn, den derzeitigen"Stromausfall" zu überbrücken - Raich und Walchhofer wollen Ende ihrer Durststrecken

Lake Louise - Hermann Maier (bald 36), Michael Walchhofer (33), Didier Cuche (34), Marco Büchel (37). 140 Jahre und 78 Siege "schwer" ist das große Quartett im alpinen Herrenzirkus, das für "Alt, aber sehr gut" steht und dem Skizirkus deshalb bis zumindest Olympia 2010 erhalten bleiben wird. Selbst Superstar Maier hat trotz seiner neuerlichen gesundheitlichen Rückschläge noch so viel Spaß und Freude am Skifahren, dass er vor dem Speed-Auftakt in Lake Louise ein klares Bekenntnis zum Weitermachen ablegte.

Maier straft am Beginn seiner 13. Weltcupsaison jedenfalls alle Lügen, die den Sieger von 53 Weltcuprennen schon mehrmals abgeschrieben hatten. Zwar "lebt" der vierfache Weltcup-Gesamtsieger aus Salzburg derzeit wegen seines Wirbelrisses zwangsweise von Schmerztabletten und muss einen Trainingstag mit fünf Ruhetagen bezahlen. Dennoch brennt das Feuer im Doppelolympiasieger von Nagano 1998 so hell wie schon lange nicht mehr.

Starke Vorbereitung

Grund ist der zurückliegende Sommer. Da hatte Maier eine sehr starke Vorbereitung und seinen Körper mit Schnellkrafttraining erstmals seit dem Motorradunfall wieder so richtig zum Leben erweckt. "Ich war seit langem wieder einmal in perfekter körperlicher Verfassung, vieles ging auf einmal wieder spielerisch", schwärmte Maier in Kanada.

Alles schien perfekt bis zu jenem verhängnisvollen Tag im Oktober, an dem sich der dauerverkühlte Maier im Lendenwirbelbereich einen Haarriss zuzog. Seitdem ist er kaum noch Ski gefahren und außerhalb der Pisten meist nur in gebückter Haltung anzutreffen. "Wenn es so perfekt läuft wie bei mir im August in Chile, bekommt man natürlich Visionen", gestand Maier ein. Die Verletzung löschte das absehbare Licht am Ende des Tunnels aber abrupt. "Wie wenn man einen Stromausfall hat oder den Fernseher ausschaltet."

Aber die Bilder sind ganz offensichtlich noch da. Sowie eine gewisse Gelassenheit, die helfen soll, diesen "Stromausfall" zu überbrücken. "Es gab Zeiten, da habe ich mich in Lake Louise nur auf dem Siegespodest gesehen", gestand Maier seine frühere Verbissenheit ein. "Jetzt sehe ich's lockerer." Deshalb sei er auch zuversichtlich, im Jänner wieder in der Form vom August sein zu können. "Ich war im Sommer in Bereichen, die ich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Das hat viel Motivation gebracht. Es kann also gut sein, dass die Form schnell wieder da ist."

Dafür muss aber vor allem Maiers lebenslang malträtierter Körper wieder mitspielen. Den Wirbelbruch stuft Maier selbst als "Langzeitschaden" ein. "Ich hatte schon als Kind Probleme, habe dann sieben Jahre schwer gearbeitet und in meinen besten Jahren war Regeneration fast ein Fremdwort, weil's dir als Junger egal ist". Das seit dem Motorradunfall versteifte Sprunggelenk hat Disbalancen in den ganzen Körper gebracht. Jetzt weiß Maier, dass der Körper ein wichtiges Werkzeug ist. "Ein Werkzeug kannst austauschen, den Körper nicht."

Die Rennen in Lake Louise nimmt Maier deshalb eher als "Training" in Angriff, auch wenn er an seinem einzigen Abfahrtstag in Sun Peaks erstaunlich stark fuhr. "Ich muss eben aus dem Wenigen das Beste machen", wehrte Maier schmunzelnd Verdächtigungen ab, tiefzustapeln. "Ich bin im vergangenen Monat so wenig Ski gefahren, dass das ganz große Rennfieber sicher fehlt. Aber der Körper gibt's derzeit einfach nicht her, im Moment ist weniger einfach mehr."

Ein Motto, das auch für Benni Raich gilt. Der Technikspezialist lässt das Abfahrtstraining neuerdings links liegen, "weil ich umso weniger erreicht habe, je mehr ich dafür trainierte."

Im Jänner wird der Tiroler 31. So lange will der Doppelolympiasieger aus dem Pitztal, der am 9. Dezember des Vorjahres zuletzt gewonnen hat, aber nicht auf seinen 31. Weltcupsieg warten. "Ich hatte schon längere Durststrecken. Man darf sich nicht narrisch machen lassen, dann kommt der Erfolg", ist der mittlerweile von Bruder Florian zusätzlich betreute Raich überzeugt. Vielleicht, so Raich, "klappt's ja schon kommende Woche in Beaver Creek."

Wie Raich weiß auch Walchhofer, dass für einen von Siegen verwöhnten Rennläufer vierte Plätze zu wenig sind. "Zumindest in der Sicht der Zuschauer." Für den Salzburger könnte es schon früher klappen als für Raich. In Sun Peaks dominierte Walchhofer sechs von acht Abfahrtstrainings, fuhr mit dem Doppeldecker zweimal Tagesbestzeit.

Im Jahr 2008 ist der Abfahrtsweltmeister von 2003 aber noch sieglos, die angepeilte Abfahrts-Kristallkugel ging an Cuche. "Ich habe mich noch aus allem rausmanövriert", gab sich Walchhofer kämpferisch. "Sun Peaks hat viele wichtige Erkenntnisse gebracht und in Lake Louise ist es meist gut für mich gelaufen." Für den Olympia-Zweiten von Turin ist Kanada sogar ein schwerer zu gewinnendes Rennen als Kitzbühel, Bormio oder Beaver Creek. "Weil es hier gleich 15 Sieganwärter gibt." (APA)

 

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