iPhone: Literaturplattform der Zukunft?

26. November 2008, 10:33
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Verlage sehen in Apples Handy eine zukunftsträchtige Plattform für ihre elektronischen Bücher - E-Books bald im Buchhandel erhältlich

Mit dem E-Book-Reader Kindle hat Amazon einen Überraschungshit auf den Markt für elektronische Bücher gebracht und einen neuen Hype ausgelöst. Jedes zehnte Buch soll im Kindle-Format verkauft werden, so Amazon. Anfang 2009 will Sony auch einen neuen Reader auf den Markt bringen. Doch der schärfste Konkurrent für den Kindle dürfte von Apple kommen. Verlage entdecken das iPhone zunehmend auch als Literaturplattform.

Starke Konkurrenz für Amazon

"Wir glauben, es wird ein großer Konkurrent für Amazon", sagt David Langevin von der Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company über das iPhone. Man sei sehr optimistisch, wie er gegenüber Wired erklärt. Der Verlag ist kürzlich eine Kooperation mit ScrollMotion eingegangen, das eine Reihe von E-Books für das iPhone veröffentlicht hat. Dabei ist jedes E-Book eine eigene Applikation, mit der auch gleichzeitig die Reader-Software heruntergeladen wird.

Vertriebsweg für junge Autoren

Im App Store ist bereits eine breite Auswahl an E-Book-Readern erhältlich. Darunter auch Software, die nur die Formate bestimmter Anbieter anzeigen kann wie eReader, sowie einige Programme wie etwa Classics, die für DRM-freie E-Books genutzt werden können. Auch zahlreiche E-Books stehen zur Verfügung. Mit den E-Books von Houghton Mifflin soll jedoch verstärkt zeitgenössische Literatur Einzug auf das iPhone halten, wie berichtet wird. Laut Langevin sollen mit diesem Vertriebsweg vor allem junge Autoren angesprochen werden.

Die Preise für die E-Books sollen unterschiedlich sein. In den kommenden Wochen will der Verlag zunächst mit 15 Titeln starten. Bereits jetzt bietet Houghton Mifflin über zehn Nachschlagewerke im App Store an. In den nächsten neun Monaten will der Verlag 1.000 weitere Bücher digitalisieren. Derzeit habe der Verlag etwa 200 Werke digitalisiert.

Zusatz zum gedruckten Werk

Das größte Problem dabei sei, die Rechte und Zustimmung der Autoren zu bekommen. Laut Langevin würden jedoch immer mehr Autoren E-Books als Erweiterung für ihre gedruckten Werke sehen. Das am meisten verkaufte E-Books des Verlags im App Store ist derzeit das American Heritage Dictionary um rund 30 US-Dollar. Neben Houghton Mifflin planen aber auch andere große Verlagshäuser ihr E-Book-Angebot kontinuierlich auszubauen.

Langsam, aber sicher

Den E-Book-Trend hat man auch auf der Hamburger Buchmesse und hierzulande auf der "Buch Wien" erkannt. Wie schnell und intensiv die elektronischen Bücher den Markt erobern werden, könne man aber noch nicht sagen, meinte Ronald Schild von der Tochter "MVB" des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in einer Diskussion auf der Buch Wien vergangene Woche. Die Geschichte der Digitalisierung von Inhalten wie Musik und von neuen Geräten wie dem "iPod" zeige: Erste Flops - bereits vor fast einem Jahrzehnt wurde der erste E-Book-Reader gehypt und floppte - heißen "noch lange nicht, dass es sich nicht durchsetzt".

E-Books im Buchhandel

Derzeit gibt es vor allem englischsprachige Literatur in E-Book-Form. Doch das dürfte sich bald ändern. Deutschsprachige Verlage stehen bereits in den Starlöchern. Das österreichisch Start-up Hixbooks will E-Books im normalen Buchhandel anbieten. Vom Residenz-Verlag wird bei Hixbooks ab kommendem Jahr ein "mittleres" Neuerscheinungspaket (100 bis 500 Bücher) erhältlich sein. Dass E-Books gedruckte Bücher aus dem Markt drängen werden, glauben viele Verleger aber nicht. Vielmehr soll es sich zu einem Zusatzangebot wie etwa Hörbücher entwickeln, wie man es auch bei Houghton Mifflin sieht. Zudem habe man aus den Fehlern der Musikindustrie gelernt. Die Titel von Hixbooks sollen nicht mit einem rigiden Kopierschutz, sondern nur mit einem Wasserzeichen versehen sein. (br/APA)

  • E-Books sollen auf dem iPhone eine große Zukunft haben
    foto: appe/ montage: red

    E-Books sollen auf dem iPhone eine große Zukunft haben

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