Brite schwängerte eigene Töchter 19 Mal

26. November 2008, 17:58
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Vergewaltigungen begannen, als die Töchter zwischen acht und zehn Jahre alt waren - Keines der Krankenhäuser ging der unheimlichen Serie von Schwangerschaften nach

 Ein 56-jähriger Brite, der über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren seine beiden Töchter insgesamt 19-mal geschwängert hatte, wurde nun in Sheffield zu lebenslanger Haft verurteilt - Von

Woran krankt unsere Gesellschaft? Was ist los mit Jugendämtern, Ärzten und Schwestern im Gesundheitswesen und der Polizei? Wie können Kinder über Monate und Jahre gequält, gefoltert und sogar getötet werden, ohne dass irgendjemand einschreitet?

Zum zweiten Mal binnen vierzehn Tagen sehen sich die Briten mit solchen Fragen konfrontiert. Nachdem in London die Mutter des 17 Monate alten Kleinkindes "Baby P" (das Kind war von der Mutter und deren Freunden zu Tode gefoltert worden; Anm.) verurteilt wurde, konzentriert sich "die Empörung des ganzen Landes", so Premierminister Gordon Brown, jetzt auf das nordenglische Sheffield. Das dortige Krongericht verurteilte einen 56-jährigen Mann zu "25-mal lebenslänglich", weil er über Jahrzehnte seine beiden Töchter vergewaltigt und mit ihnen neun Kinder gezeugt hatte.

Details der grauenhaften Tragödie bleiben unklar

Viele Details der grauenhaften Tragödie bleiben unklar, weil Richter Alan Goldsack den Medien strenge Auflagen zum Schutz der Opfer auferlegt hat. Offenbar handelt es sich bei dem Verurteilten um einen extrem jähzornigen Mann: Seine Frau floh vor seiner Brutalität, ohne den Kindern Schutz zu gewähren. Die Verbrechen begannen bereits in den achtziger Jahren, als die Mädchen acht und zehn Jahre alt waren. Im Prozess kamen unsagbare Brutalitäten zur Sprache. Immer wieder hatte der Täter seine Kinder mit dem Tod bedroht.

Wegschauen

Mehrfach ignorierte das Umfeld Hinweise. So kam eines der Mädchen mit Blutergüssen und Verbrennungen in die Schule, ohne dass Alarm geschlagen wurde. Um Fragen zu entgehen, zwang der Vater seine Familie im Abstand von wenigen Monaten zu Umzügen in isolierte Häuser in den Grafschaften Yorkshire und Lincolnshire.
Die jungen Frauen waren insgesamt 19-mal von ihrem Vater schwanger. Neun Kinder kamen zur Welt, sieben sind noch am Leben. Allesamt leiden unter mehr oder weniger schweren Behinderungen. Die eingeschüchterten Opfer verweigerten Ärzten gegenüber immer wieder Auskunft über die Identität des Vaters - umgekehrt ging aber auch keines der Krankenhäuser der unheimlichen Serie von Schwangerschaften nach.
Der einzige Bruder der beiden Opfer erstattete einmal Strafanzeige. Weil die Frauen aber jede Aussage verweigerten, stellte die Polizei das Verfahren bald wieder ein.


Eine Untersuchung soll nun klären, ob der Gewaltverbrecher früher hätte gestoppt werden können. Die Medien ziehen Parallelen mit dem Amstettner Josef F., der jahrzehntelang seine Tochter in einem Kellerverlies versteckt hielt und mit ihr mehrere Kinder zeugte.


Als dieser Fall im April bekannt wurde, so der Sheffielder Abgeordnete Nick Clegg, "hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir einen ähnlichen Fall bei uns in Sheffield haben könnten". Tatsächlich hatten britische Medien ausführlich Probleme der österreichischen Gesellschaft erörtert, die den Fall F. erst möglich gemacht hätten. Nun beginnen auch auf der Insel Analysen und Schuldzuweisungen.

Peter Duxbury, der Jugendamtsleiter in Lincolnshire, meint jedenfalls: "Mittlerweile haben sich die Vorgehensweise und Zusammenarbeit der beteiligten Behörden sehr verändert." Sheffield, aber auch die Details im Fall des getöteten "Baby P", lassen viele Briten aber daran zweifeln. (Sebastian Borger aus London/ DER STANDARD Printausgabe 27.11.2008)

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