Mediensterben in Second Life

26. November 2008, 09:29
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Reuters und Springer kehren der virtuellen Welt den Rücken - Wenn der Hype seinen Zenit überschritten hat, kommt der Niedergang

Der Begriff Hype wird gerne für Produkte aller Art verwendet, die für einen bestimmten Zeitraum besonders populär sind. Irgendwann überschreitet die Popularität den Zenith, um dann nach und nach zu verblassen. Sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt - von Second Life (SL).

Virtuelles Büro schließt in der Realität

Der Nachrichtenagentur Reuters ist der Hype (englisch auch für Medienrummel) um und auf der Online-Plattform Second Life offenbar zu wenig. Sie macht ihr dort 2006 eingerichtetes virtuelles Büro, das mit einem eigenen SL-Redakteur besetzt war, wieder dicht. Zu wenig Berichtenswertes spielt sich noch in dem künstlichen Universum ab. Auch das E-Paper "Avastar", in dem der Springer-Verlag wöchentlich über die Ereignisse in der virtuellen Welt berichtete, ist Geschichte. 2003 online gegangen, haben sich in der von der US-Firma Linden Lab erfundenen Kunstwelt in den folgenden Jahren den Angaben nach bis zu 15 Millionen Menschen mit ihren persönlichen Avataren (grafische Stellvertreter) eingerichtet. Sie können dort Häuser bauen, Leute treffen und Geschäfte machen. Bezahlt wird mit Linden-Dollars, die durch den Verkauf virtueller Güter oder Mitgliedsbeiträge (in echten Dollars) erworben werden können.

Angezogen vom Rummel

Angezogen vom Rummel auf Second Life haben sich auch Unternehmen, die hier eine Marketingplattform für ihre Produkte und Dienstleistungen sahen (und teilweise noch immer sehen), niedergelassen. Darunter der weltgrößte IT-Dienstleister IBM, der bereits zweistellige Millionen-Dollar-Beträge zur Erschließung der virtuellen Geschäftswelt locker gemacht hat. "Second Life ist als Spielplatz tolerabel, aber Unternehmen sollten es nicht und werden es nicht für ihre Geschäfte nutzen", zieht nun Erich Krangel, so der virtuelle Name des Second Life-Reporters von Reuters, Bilanz.

Probleme

Die Probleme und technischen Mängel seien einfach zu gravierend gewesen und hätten bisher nicht beseitigt werden können. Laut Krangels Meinung sollte sich Second Life in Zukunft auf seine privaten Nutzer konzentrieren und diesen Bereich besser ausbauen. Zumal es demnächst einen Neo-Konkurrenten weniger gibt: Google zieht angesichts der Finanzkrise den Stecker aus seinem erst im Juli gestarteten SL-Klon "Lively".(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 26.11.2008)

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    Second Life ist der Nachrichtenagentur Reuters keine virtuelle Berichterstattung mehr wert.

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