Quito droht mit Einstellung des Schuldendienstes

25. November 2008, 21:38
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Kommission stellt zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei zwischen 1976 und 2006 aufgenommenen Krediten fest - Analysten warnen Correa vor "Spiel mit dem Feuer"

Quito - Inmitten der Weltfinanzkrise hat Ecuador angedroht, seine Auslandsschulden nicht mehr zu bezahlen. Präsident Rafael Correa verkündete, eine Kommission habe mehr als ein Jahr lang die Legitimität der Auslandsschulden überprüft und zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei den zwischen 1976 und 2006 aufgenommenen Krediten gefunden. Ecuador habe die Absicht, 3,8 Mrd. Dollar (3,0 Mrd. Euro) "korrupte, illegale Schulden" nicht zurückzuzahlen.

"Wir müssen die Pros und Contras abwägen, möglicherweise brechen die Gläubiger eine Hexenjagd vom Zaun, aber wir haben vor, keine illegitimen Schulden zurückzuzahlen, sagte Correa. Betroffen von der Maßnahme wäre rund ein Drittel der 10,6 Mrd. Dollar Auslandsschulden des Andenlandes.

Besonders im Fadenkreuz der linksnationalistischen Regierung sind die Bonds der Schuldenumstrukturierung vom Jahr 2000, als Ecuador schon einmal nach einer schweren Finanzkrise zahlungsunfähig war. Sowohl bei der Vergabe der Bonds als auch bei der Auswahl der damit betrauten Finanzinstitutionen hat es Correa zufolge Ungereimtheiten gegeben.

Die Regierung will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Das trifft vor allem den Ex-Präsidenten Sixto Duran Ballen. Dieser zeigte sich nicht weiter beunruhigt: "Bis die Justiz den Bericht der Kommission im Detail überprüft hat, wird noch viel Zeit vergehen."

Auch die Schulden der Militärdiktatur waren nach Auffassung der Kommissionsmitarbeiterin Karina Saenz ein Mechanismus zur Bereicherung ausländischer Banken und kein Beitrag zur Entwicklung des Landes. "Wegen Refinanzierungen, Schuldentausch und Zinsanhebungen sind die Schulden von damals von 200 Millionen auf 4,16 Milliarden gestiegen, obwohl Ecuador seither 7,1 Milliarden abbezahlt hat" , führte sie an.

Nicht betroffen von dem Moratorium wären die internationalen Finanzinstitutionen wie die Weltbank, bei der Ecuador erst kürzlich eine Milliarde Dollar für Infrastrukturprogramme beantragt hat.

In die Bredouille könnte der Zahlungsausfall allerdings einen wichtigen Verbündeten Correas bringen: den linken, venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Venezuela ist Finanzagenten zufolge Garant ecuadorianischer Bonds und müsste mit 800 Millionen Dollar in die Bresche springen, wenn Ecuador nicht zahlt.

Die Finanzmärkte reagierten negativ auf die Androhung Correas; die Ratingagenturen stuften Ecuador sofort auf CCC - also wenig kreditwürdig - herunter, was dem Land den Zugang zu externer Finanzierung praktisch unmöglich macht. Analysten sehen Correas Drohung als Schachzug, um eine für das Land günstige Neuverhandlung der Schulden zu erreichen.

Dieses Ziel hält die Finanzanalystin Paulina Modiano jedoch für unrealistisch. Im derzeitigen Umfeld eines internationalen Liquiditätsengpasses, fallender Erdölpreise und sinkender Überweisungen durch Migranten - die wichtigsten Devisenbringer des Landes - sei es unwahrscheinlich, dass sich die Gläubiger darauf einließen, sagte Modiano. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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    Will keine "korrupten, illegalen Schulden" zurückzahlen: der Präsident von Ecuador, Rafael Correa.

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