SPD: Das rote Vakuum

25. November 2008, 20:29
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Jetzt ist "Münte" blamiert - von Birgit Baumann

Hitzköpfigkeit ist nicht allein ein Wesenszug der Jugend. Das zeigt gerade der Fall des deutschen Ex-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement. Da ihn "seine" SPDgerügt hat, wirft der 68-Jährige alles hin und geht. Gekränkt ist er und wütend, austeilen hat er immer besser können als einstecken. Weil: Wirklich fair war es ja nicht, den wahlkämpfenden Genossen in Hessen mit seiner Kritik an Andrea Ypsilanti ein Bein zu stellen.

Im Abgehen hat Clement auf jeden Fall auch noch SPD-Chef Franz Müntefering einen Schlag versetzt. Der nämlich hatte sich sehr darum bemüht, dass der Reformer Clement in der Partei bleiben darf. Jetzt ist "Münte" blamiert - zumal er von seinem alten Weggefährten aus dem einst so mächtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen auch die mangelnde Distanz zur Linkspartei unter die Nase gerieben bekam.

Aber vielleicht herrschte bei Clement ja letztendlich auch ein gewisses Unbehagen über das rote Vakuum. Mit großem Hallo waren Müntefering und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier erst vor wenigen Wochen auf dem SPD-Parteitag inthronisiert worden. Doch der Elan erlahmte bald, irgendwie schafft es das neue Duo nicht, Tritt zu fassen.

Steinmeier wollte mit einem Opel-Gipfel innenpolitisch punkten, wurde aber von "Gipfelkönigin" Angela Merkel kaltlächelnd ausgebremst. Müntefering ist überhaupt auf Tauchstation, während sich ein Landesverband nach dem anderen den bereits im Bundestag getroffenen Vereinbarungen zur Computer-Razzia widersetzt. Und im Bund wie in Hessen sind die Umfragewerte schlecht. So gesehen ist der Abgang eines grantigen Ex-Ministers für die SPDein eher nachrangiges Problem. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

 

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