OECD: Island nach Banken-Zusammenbruch in "tiefer Rezession"

25. November 2008, 19:26
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2009 schrumpft Wirtschaftsleistung um fast ein Zehntel - Island ein "Extremfall" für überdimensionierten Bankensektor

Wien/Paris - Das Beispiel Islands zeige die großen Probleme für kleine Volkswirtschaften mit überdimensioniertem Bankensektor, selbst wenn Island ein "Extremfall" sei, schreibt die OECD in ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick. Zum Vergleich: Das Verhältnis zwischen der Gesamtbilanzsumme der Banken und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug in den USA 0,7 (nur Geschäftsbanken), in Australien 2,1, im Euro-Raum 3,5, in Dänemark 4,3, in Großbritannien 4,7, in der Schweiz 6,8, in Irland 9,5 und lag in Island nahe bei 10. Das Kapital der drei größten Banken Islands (Kaupthing, Landsbanki und Glitnir) entsprach damit nahezu dem Zehnfachen des isländischen BIP.

Nach einer langen Phase unausgewogenen Wachstums sei die isländische Wirtschaft infolge des Zusammenbruchs der großen Banken des Landes in eine tiefe Rezession eingetreten. Die Wirtschaft dürfte bis Anfang 2010 schrumpfen, und die Arbeitslosigkeit werde in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich deutlich ansteigen. Für das Jahr 2009 wird ein Rückgang des BIP um 9,3 Prozent erwartet, die isländische Wirtschaft schrumpft um fast zehn Prozent.

Die schweren Finanzmarktstörungen hatten Anfang Oktober begonnen, als ausländische Investoren Kapital bei den drei Großbanken des Landes abzogen. Im Gefolge der Krise verlor die isländische Krone gegenüber dem Euro und dem Dollar innerhalb weniger Tage massiv an Wert, und die kurzfristigen Geldmarktzinssätze stiegen auf dramatisch hohe Niveaus an. Die negativen Folgen für die Wirtschaft werden voraussichtlich gravierend sein und eine ohnehin schon schwierige Wirtschaftslage noch verschlechtern, erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die drei größten Banken Islands waren stark auf ausländische Finanzierungsquellen angewiesen. Aufgrund des Umfangs ihrer Bilanzen hatten die Investoren schwere Bedenken in Bezug auf die Fähigkeit der Zentralbank, als Kreditgeber letzter Instanz ("lender of last resort") zu fungieren. Als Reaktion hierauf hatten die zuständigen Stellen die Devisenreserven erhöht und Währungsswapvereinbarungen mit den Zentralbanken anderer nordischer Länder getroffen. Diese Bemühungen blieben indessen erfolglos, so dass die Regierung gezwungen war, die Banken zu verstaatlichen.

Die drei größten isländischen Banken wurden unter Zwangsverwaltung und direkte staatliche Kontrolle gestellt. Der Staat hat eine Garantie für inländische Einlagen (im Wert von 88 Prozent des BIP bis Ende Juni 2008, Stand Ende August) übernommen und wird auch ausländische Einlagen garantieren (die sich zu den Wechselkursen von Ende Oktober insgesamt auf etwa 100 Prozent des BIP belaufen), sofern er dazu verpflichtet ist, hat jedoch darauf hingewiesen, dass er nicht beabsichtigt, andere ausländische Gläubiger zu retten (mit Forderungen von ungefähr 520 Prozent des isländischen BIP).

Diese Unfähigkeit, Bankschulden zurückzuzahlen, hat den Zugang der isländischen Banken zu den internationalen Kreditmärkten eingeschränkt und den Devisenmarkt gravierend gestört, mit sehr negativen Konsequenzen für die Wirtschaft. Es wird erwartet, dass die Zinssätze bis Ende 2009 hoch bleiben, um dann jedoch bis Ende 2010 rasch gesenkt zu werden, wenn die Inflation sinkt und der Kapazitätsüberhang in der Wirtschaft zunimmt. Ein weiteres Anwachsen der Staatsausgaben dürfte dazu beitragen, die Kontraktion der Inlandsnachfrage etwas zu mildern, wird allerdings im Laufe des Projektionszeitraums eine bedeutende Verschlechterung des staatlichen Haushaltssaldos bewirken.

Eine tiefe Rezession ist zu erwarten: Den Projektionen zufolge wird die Wirtschaft Ende 2008 bis Anfang 2009 sehr stark schrumpfen und erst Mitte 2010 wieder zu wachsen beginnen. Die Konsumausgaben werden sich wahrscheinlich deutlich verringern, da sich die privaten Haushalte den rückläufigen Realeinkommen, den steigenden Schuldendienstkosten, den restriktiven Kreditmarktbedingungen und den Vermögensverlusten anpassen. Auch ein starker Rückgang der privaten Investitionen ist zu erwarten. Die Arbeitslosenquote dürfte beträchtlich zunehmen und 2010 etwa 8,5 Prozent erreichen. Für Anfang 2009 wird eine weitere Erhöhung der Inflation erwartet, danach ist jedoch mit einer Abnahme zu rechnen, wenn die Effekte der Abwertung abklingen und sich der wachsende Kapazitätsüberhang bemerkbar macht. (APA)

 

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