Ein neuer Kopf, nicht nur für einen Tag

25. November 2008, 19:18
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Hartnäckig und direkt trete der neue Klubchef Kopf auf, er hinterlasse aber nie verbrannte Erde

Karlheinz Kopf spielte gerne den sterbenden Schwan. Lag sein Team in Front, erzählt ein Kollege vom FC Nationalrat, wälzte sich Tormann Kopf nach harmlosen Attacken mitunter ausgiebig am Boden - um Zeit bis zum Schlusspfiff zu schinden.

Taktische Raffinesse gehört auch zum Anforderungsprofil in Kopfs neuem Job. Als Klubobmann wird der 51-Jährige künftig die ÖVP-Abgeordneten im Nationalrat führen. Ein Karrieresprung, der sich abgezeichnet hat: Schon bei den Koalitionsverhandlungen stützte sich Parteichef Josef Pröll stark auf die Expertise des ökonomisch versierten Vorarlbergers.

Sein Rüstzeug erwarb sich der Vater von zwei Töchtern nicht nur in 14 Jahren im Nationalrat. Nach der Handelsschule stieg der Spross einer Altacher Unternehmerfamilie zum Personalchef bei den Textilproduzenten Huber Trikot und Wolford auf, ehe er sich mit der Firma Sportbau Walser selbstständig machte. "Ein natürlicher innerer Drang, für die Gesellschaft etwas zu tun", trieb Kopf schließlich in die Politik, wo er sich einen Ruf als Wirtschaftsliberaler erarbeitete.

Hartnäckig und direkt

Mit seiner Meinung hält er auch nun, mitten in der Krise, nicht hinterm Berg: Empörte Proteste provozierte Kopf, als er ausgerechnet jetzt verschärfte Bedingungen für Arbeitslose forderte. Die auch von der ÖVP besetzte Steuerreformkommission kritisierte er als "linkslastig", weil sie höhere Steuern auf Vermögen gefordert hatte.

Für den Posten des Wirtschaftsministers soll Kopf (vergeblich) den Nonkonformisten Herbert Paierl gepusht haben. Mit dem konservativen Beamtenvertreter Fritz Neugebauer krachte der reformfreudige Wirtschaftsbündler bei der Gesundheitsreform zusammen. Und als Freund von Wolfgang Schüssel galt er erst recht nie. Der Ex-Kanzler soll dazu beigetragen haben, dass Kopf lange ewige Nachwuchshoffnung blieb.

Hartnäckig und direkt trete der neue Klubchef auf, heißt es in der ÖVP, hinterlasse aber nie verbrannte Erde - weshalb ihm trotz alter Reibereien viele das notwendige integrative Talent zutrauen, um die Abgeordneten auf Parteilinie und seinem Chef Pröll Alltagsprobleme vom Leib zu halten. Ausputzer für kritische Situationen: Diese Rolle kennt der Fussballfreak - Kopf war Präsident des Vorarlberger Verbandes und des SCR Altach - neuerdings auch vom Sport. Nach Sehnenrissen in beiden Schultern musste der Keeper (zwei Jahre in der zweiten Liga) auf Verteidiger umsatteln. Sein Debüt war freilich kein gutes Omen: Mit einem haarsträubenden Rückpass verschuldete Kopf ein Gegentor. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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