Goldenen Zeiten entgegen

25. November 2008, 19:04
3 Postings

"Report Spezial" am Montag: Dort wurden scheidende Regierungsmitglieder nach "letzten Worten" gefragt

Der Sandkistentraum von Alfred Gusenbauer ist vorbei. Das Schauferl steckt verwaist im Eck, ein Hunderl aus der Nachbarschaft hat vorbeigeschaut, und die Sandburg ist verfallen. Dieses oder ein ähnliches Bild konnte einem beim "Report Spezial" am Montag in den Sinn kommen. Dort wurden scheidende Regierungsmitglieder nach "letzten Worten" gefragt.

Der ganze "Report" war ähnlich originell, "letzte Worte" waren kaum zu vernehmen. Und jene, die gesprochen wurden, rechtfertigten nicht unbedingt das Filmmaterial. Immerhin war der neue Bundeskanzler Live-Gast bei Johannes Fischer. Das ist jener Präsentator, der immer wie zufällig am "Report"-Tisch sitzt und dessen Gesprächsführung meist genau so wirkt. Vorbereitung? Bin eh gepudert.

Das Gespräch brachte dennoch einige Erkenntnisse: Erstens, dass Paul Tesarek in "Wien heute" ein paar Stunden zuvor das ungleich bessere und schärfere Interview mit Faymann geführt hat. Zweitens: Faymann ist super. Im Vergleich zu Gusenbauer. Was er auch sagt, es wirkt so televisionär eloquent, es vermittelt ein Gefühl des Handelns. Das gab es nun zwei Jahre lang nicht, davor wurde sowieso ganz geschwiegen.

Derlei Talent, so es denn eines ist, ist in einem zum Theater verkommenen Politikspiel wichtig. Ob sich damit auch Realpolitik machen lässt, bleibt abzuwarten. Auch was ein ehemaliger Studienkollege im "Report" über Pröll sagte, war aufschlussreich: Er, Pröll, hätte aus ein paar Schlagwörtern aufregend klingende Sätze bauen können und so jede Prüfung geschafft.

Na dann. Auf geht's, goldenen Zeiten entgegen! (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 26.11.2008)

Share if you care.