Rudas: "Das geht auch ohne Gehässigkeiten"

25. November 2008, 22:37
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Mit 27 Jahren vom Gemeinderat ins Parlament, danach in die SPÖ-Zentrale: die neue Bundesgeschäftsführerin will ihre Funktion mit "weniger Parteihickhack" neu definieren

Der "richtige" Dienstantritt soll am Tag der Angelobung, also kommenden Dienstag, sein. Der erste Termin steht bereits fest: Ein Treffen mit dem Betriebsrat. Laura Rudas ist - gemeinsam mit Günther Kräuter - die neue Bundesgeschäftsführerin der SPÖ.

Vom Gemeinderat ins Parlament, danach in die SPÖ-Zentrale - und das als 27-Jährige. Die Frage, ob sie sich die Aufgabe als SPÖ-Geschäftsführerin zutraue, habe sie in den letzten Tag oft gehört. "Das sagen meistens die Leute, die mich nicht so gut kennen", sagt Rudas. Kräuter und sie wollen ihre Funktion anders ausfüllen als ihre Vorgänger, etwa wie Josef Kalina; "weniger Parteihickhack" soll es geben, erklärt Rudas. Ganz im Gegenteil: "Man muss auch gegenüber Ideen anderer Parteien offen sein", sagt sie im Gespräch mit dem Standard.

Kräuter und Rudas teilen sich die Aufgaben: Der Steirer kümmert sich um die Vorfeldorganisationen, die Gewerkschaften und Länder, die Wienerin ist für die Kommunikation, für Innovationen und Kampagnenplanung zuständig.

Netzwerken und einbinden

Rudas will "die Zivilgesellschaft treffen" und die Partei stärker mit NGOs vernetzen, um "themenbezogen" zusammenzuarbeiten. "Man darf nicht nur Angebote machen, die Leute sollen aktiv mitarbeiten", sagt sie. Dies sei auch ein Versuch, wieder an junge Wählerschichten heranzukommen. Dass bei der vergangenen Nationalratswahl im Herbst auffallend viele Jungwähler nicht SPÖ gewählt hätten (sondern vielfach FPÖ), erklärt die nun ehemalige Jugendsprecherin mit einem "Protestverhalten".

Ihr Verhältnis zu den anderen Parteien beschreibt Rudas als korrekt. Auch bei der FPÖ habe sie "ihren Weg gefunden: themenspezifische Zusammenarbeit ja, Koalition nein, ein Burschenschafter als Nationalratspräsident auch nein." Rudas hat als eine der wenigen in der SPÖ gegen den FP-Mandatar Martin Graf bei dessen Wahl zum Dritten Nationalratspräsidenten gestimmt. Zu erwartbaren Streitpunkten mit der ÖVP sagt Rudas: "Politische Auseinandersetzung ist wichtig, aber das geht auch ohne Gehässigkeiten." Die Aufteilung der Ressorts zwischen Rot und Schwarz findet sie "okay". Es sei wichtig, dass die SPÖ das Gesundheitsressort übernommen habe: "Aber natürlich hätte ich gerne alle Ressorts in SPÖ-Hand." (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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    Laura Rudas: Mit 27 an der Spitze der SPÖ-Parteizentrale.

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