Wichtiger als Fußball

25. November 2008, 18:17
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Sportagenden werden von den Politikern seit Jahr und Tag von hier nach dort verschoben, die Substanz leidet - von Fritz Neumann


Sie sitzen bei wichtigen Fußballmatches und in Kitzbühel und beim Schladminger Nachtslalom erste Reihe fußfrei. Sie werden zwischen Spielhälften oder Durchgängen interviewt. Sie lassen sich mit Siegern abfeiern, wenn denn etwas gewonnen wurde (eher in Schladming als im Stadion). Doch den Sport, den schieben die Spitzen der österreichischen Politik seit Jahr und Tag hin und her. Von Ministerium zu Ministerium, ins Bundeskanzleramt, in ein Staatssekretariat. Hauptsache, dort sitzt einer, der selbst Marathon läuft oder, von mir aus, gekickt hat.

Nun ist der Sport wieder einmal in einer völlig neuen Umgebung gelandet, bei der Landesverteidigung. Und wäre diese nicht in SPÖ-Händen, man mag sich nicht ausmalen, wie die SPÖ dies kommentieren würde. Reinhold Lopatka, der letzte Sportstaatssekretär, regt sich auch nicht groß auf, er behält ja seinen Titel, statt im Sport kennt er sich jetzt in den Finanzen aus. Generell wäre die Sinnhaftigkeit von schwarzen Staatssekretären in roten Ministerien und vice versa zu hinterfragen. Für Lopatka führte kein Weg an seinem Chef, dem Bundeskanzler, vorbei. So blieben wichtige Sportthemen auf der Strecke - das allerwichtigste: die Aufwertung der Bewegung an Kindergärten/Schulen. Von der täglichen Turnstunde ist man so weit weg wie nie zuvor.

Hier liegt die Chance von Norbert Darabos. Freilich gibt die erste Wortmeldung zu denken, derzufolge er sich in den Spitzenfußball einmischen will. Wichtiger wäre Überzeugungsarbeit. Im Bildungsministerium sitzt eine Parteifreundin. Doch das muss nichts heißen, wie der Sport allzu oft erfahren hat. Egal, wo er daheim war. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 26.11. 2008)

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