Damit alles noch besser bleibt

25. November 2008, 18:56
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Um Österreich bis 2020 an die Forschungsspitze in IT und Kommunikationstechnologie zu führen, stellte der Forschungsrat ein Papier mit Visionen vor

IT-Forscher an heimischen Universitäten, die besonders fleißig Drittmittel einwerben, wurden bisher dafür nicht gerade belohnt. Im Gegenteil: Die Mittel für Grundlagenforschung blieben ihnen großteils verwehrt, weil man der Ansicht war, dass nur derjenige Geld für wissenschaftliche Basisarbeit braucht, der keine Aufträge für die Wirtschaft an Land gezogen hat.

Betroffene Wissenschafter bekritteln diesen Umstand schon lange, nun hat auch der Rat für Forschung und Technologieentwicklung eindeutig Position bezogen:Er empfiehlt "Personal und Ressourcen" in diesem Bereich "parallel zur Einwerbung von Drittmittel auszubauen" , was durch "eine stärkere Berücksichtigung der Drittmittel als Leistungsindikator" erfolgen könnte - einer der zentralen Punkte der Forschungsstrategie für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) des Rats, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Durch die Umsetzung des Strategiepapiers glaubt man, bis 2020 einen Spitzenplatz erreichen zu können. Dann soll Österreichs "IKT-Forschungsintensität unter den Top drei aller EU-Länder liegen. Ein sehr ehrgeiziges Unterfangen, zumal das Land im IKT-Bereich derzeit eher im Mittelfeld, wenn auch im oberen, liegt.

Kritik am Ist-Zustand verpackt der Forschungsrat in "Empfehlungen" : Die betreffen nicht nur die dringend aufzuwertende Grundlagenforschung, sondern auch die Frage der Humanressourcen. Besonders Frauen sollten verstärkt gefördert werden. 2020 will man 25 Prozent weibliche IKT-Forscherinnen in der Industrie und 50 Prozent an den Hochschulen sehen. Heute sind es 8,1 bzw. 22 Prozent. Der Forschungsbereich müsse "eine Vorreiterrolle bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf einnehmen" . Durch gerade im IKT-Bereich übliche flexible Arbeitsbedingungen sei diese Forderung umsetzbar, heißt es im Papier.

In der Frage der Humanressourcen fordert der Rat auch eine Steigerung der Attraktivität des Landes für internationale Forscher: Erreicht soll das unter anderem durch "international kompetitive Angebote in Hinblick auf Gehalt und Sozialleistungen österreichischer Universitäten" werden. Aber auch eine Verkürzung der Bewilligungszeit für ausländische Forscher von sechs Monaten auf maximal 30 Tage soll mehr Wissenschafter nach Österreich locken. Damit will man den bürokratischen Aufwand für internationale Forscher reduzieren.

IKTträgt heute schon 45 Prozent des Produktivitätswachstums innerhalb der EU bei. Anwendungsorientierte Forschung wird innerhalb Europas und hierzulande in vielen Teilbereichen unterstützt (Embedded Systems, Visual Computing, Ambient Assisted Living). Dennoch ist vor allem die Selbstwahrnehmung der IT-Forscher als Expertengruppe unzureichend.

Für Erich Prem, Chef des Technologiemanagement-Unternehmens Eutema, der Expertenrunden als Basis der Forschungsstrategie organisierte, ist das "in diesem Ausmaß" die größte Überraschung in diesem Ratspapier. Die Forscher seien sehr schlecht vernetzt. Man habe viel zu tun und wenig Zeit für Lobbying, sagt Prem. Verbesserungswürdig sei außerdem, so der Forschungsrat, der Technologietransfer von der Wissenschaft zur Wirtschaft. Man müsse daher die derzeitige Praxis bei der Verwertung geistiger Eigentumsrechte vereinheitlichen. In der Forschungsstrategie ist von "wenig etablierter Praxis und langen Verhandlungen zwischen Unternehmen und Unis" die Rede.

In der "Vision" des Papiers steht, 2020 seien die Kompetenzen in den mit Forschung beauftragten Ministerien "klar verteilt" . Derzeit kommen die Gelder für IKT-Forschung von Infrastruktur-, Wirtschaft- und Wissenschaftsministerium, über eine Vielzahl von Programmen wie FIT-IT, Comet, über die Förderbank Austria Wirtschaftsservice, über die Doppler-Labors und über den FWF-Wissenschaftsfonds. Die Vielfalt der Programme würde der Rat eindämmen. Da man hierzulande dazu neigt, neue Programme zu erfinden statt alte auszubauen oder zu variieren, setzen die Autoren des Papiers auch an diesem Punkt an. Miniprogramme mit geringen Dotierungen sollten in Zukunft vermieden werden. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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