Bilde ab, was du umsetzen willst

25. November 2008, 19:00
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Linzer Institut schuf ein Werkzeug für praxisnahe Prozessmodellierung im Internet

Das große Dilemma im Alltag ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Das gilt vor allem auch im täglichen Zusammenspiel von Management und IT-Abteilung. Nur wenn diese Ebenen miteinander kommunizieren können, wird es Erfolg geben.

Will ein Unternehmen seine Geschäftsprozesse effizienter gestalten, erweist sich die grafische Abbildung von Informationen als vorteilhaft. Nur so lässt sich erkennen, wo das Unternehmen steht, wohin man sich entwickeln will und welche Prozesse für einen erfolgreichen Ablauf notwendig sind beziehungsweise welche Abteilungen integriert werden müssen.

In der Theorie gibt es unzählige Werkzeuge, die die Zusammenarbeit zwischen Management und IT-Leitung vereinfachen und Geschäftsprozesse modellierbar machen sollen. In der Praxis wiederum erweisen sich die Programme jedoch als zu schwer bedienbar und zu unflexibel. "Am Ende landeten viele Unternehmen wieder bei Excel und einem Zettel in der Hand" , so Peter Regner, Bereichsleiter Informationsmanagement an der FAW GmbH, einem Spin-out des Instituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung der Uni Linz. Am FAW verfolgt man das nachhaltig gelebte Konzept, universitäres Wissen - gewonnen aus Forschung und Lehre - anwendungs- und problemorientiert in die Wirtschaft zu transferieren. Die Anforderungen der Unternehmen, die das FAWin seiner Beratungspraxis herausfand, konnten mit den existierenden Tools nur bis zu einem gewissen Grad gelöst werden. Daher begann man in Kooperation mit der Johannes-Kepler-Universität Linz und dem Softwarepark Hagenberg an einer Lösung zu arbeiten.

Leicht bedienbares Werkzeug

Das ursprüngliche Ziel war es, ein Werkzeug, das leicht zu bedienen, dabei aber große Möglichkeiten bei ebensolcher Flexibilität bieten würde, zu schaffen. "Es ist wichtig zu modellieren, nicht zu zeichnen. Modellieren heißt, dass ich Regeln habe, die ich umsetzen will" , so Regner. Unternehmen sollten nicht durch vorgegebene Funktionen beschränkt sein, sondern auf Basis ihrer eigenen Anforderungen eine größtmögliche Freiheit vorfinden.

Am Ende der Entwicklung stand "AMMI" . "Der Name steht für Adaptives Modellierungswerkzeug für Metamodelle und deren Instanzen - klingt etwas sperrig, dafür ist der Einsatz umso flexibler. Dahinter stecken mehrere Jahre universitärer Grundlagenforschung und ein Entwicklungsansatz, der von Anfang an auf den praktischen Einsatz des Werkzeugs hin ausgerichtet waren."

In der Praxis zeigt sich, dass AMMI wesentliche Vorteile für Firmen bietet. Bei der Voestalpine Stahlhandel GmbH kommt das Tool neben der klassischen Prozessdokumentation auch zur Modellierung und Dokumentation im Rahmen der ISO 27000 zum Einsatz. Dieser Standard spezifiziert die Anforderungen für den gesamten Ablauf eines dokumentierten Informationssicherheitssystems.

Für Thomas Wiesinger, Leiter der IT bei der Voestalpine Stahlhandel GmbH, muss die IT die Abläufe im Unternehmen effizient durch Informationssysteme unterstützen und so zur Erreichung der strategischen Unternehmensziele beitragen. Die Abbildung der Prozesse sei dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor und ermöglicht erst eine sinnvolle Verknüpfung unterschiedlicher Unternehmensbereiche.

Durch AMMI sei es möglich, dass auch Anwender ohne IT-Kenntnisse Prozesse abbilden und modellieren können. Auch Änderungen in der Meta-Ebene, also über einzelne Bereiche hinweg, können problemlos umgesetzt werden. "Das Ziel, dass man sich selbst helfen kann, hat AMMI für die Unternehmen erreicht" , so Wiesinger, der bei der Entwicklung des Tools beteiligt war.

"Am Beginn muss eine Unternehmensstrategie stehen, die IT unterstützt diese. Wir leben das in unserem Unternehmen" , versichert Wiesinger. Genau dieser Punkt sei entscheidend: In vielen Firmen werde nicht gelebt, was geplant wurde. "Die IT-Struktur muss an den Prozessen entlang geplant und modelliert werden. Das Dokumentieren von Prozessen ist für die Mitarbeiter oft nicht sehr einfach. Sie werden dabei auch oft überfordert" , so Wiesinger. AMMI schaffe die Möglichkeit, auch ohne IT- oder Programmierkenntnisse ein Meta-Modell zu definieren und zu erarbeiten.

Vor allem durch die Unabhängigkeit von eingesetzter Plattform und Betriebssystem werde ein breiter Einsatz des Tools ermöglicht. Um eine erfolgreiche Software zu entwickeln, sei es wichtig gewesen, ein Umfeld zu schaffen, wo Universität und Praxis bestmöglich zusammenarbeiten können. (Gregor Kucera/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

  • Unternehmensprozesse abbilden heißt wohl auch Bausteine in der Kette aneinanderfügen.
    foto: standard/cremer

    Unternehmensprozesse abbilden heißt wohl auch Bausteine in der Kette aneinanderfügen.

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