Hunderte Jahre Haft gegen mutmaßliche Folterer gefordert

25. November 2008, 17:41
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Vollzugsbeamte sollen Untersuchungshäftling getötet haben

Istanbul - In einem für die Türkei ungewöhnlich entschlossenen Vorgehen gegen mutmaßliche Folterer hat ein Staatsanwalt mehrere hundert Jahre Haft für Justizvollzugsbeamte gefordert, die einen Untersuchungshäftling getötet haben sollen. Insgesamt müssen sich 60 Angeklagte wegen des Todes des Häftlings Engin Ceber vor Gericht verantworten, wie türkische Zeitungen am Dienstag unter Berufung auf die Anklageschrift berichteten. Zusammengenommen fordere die Staatsanwaltschaft in dem bevorstehenden Prozess rund 300 Jahre Haft für die Angeklagten. Die Beamten sollen Cebers Kopf gegen Wände und Stahltüren geschlagen haben.

Ceber war Ende September in Istanbul festgenommen worden, als er ein linksgerichtetes Magazin verteilte. Auf der Polizeiwache und später im Untersuchungsgefängnis wurde er nach Angaben von Menschenrechtlern tagelang geschlagen. Die Misshandlungen seien von Überwachungskameras im Istanbuler Gefängnis Metris aufgezeichnet worden, berichtete die Zeitung "Vatan". Ceber wurde Anfang Oktober mit schweren Hirnblutungen in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenig später starb.

Nach Einschätzung von Menschenrechtlern nimmt die Zahl von Folterungen und Misshandlungen im EU-Bewerberstaat Türkei wieder zu. Eine Bestrafung von Polizisten und anderen Beamten, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, ist nach wie vor selten. Der Fall Ceber hatte unter anderem deshalb für Aufsehen gesorgt, weil sich Justizminister Mehmet Ali Sahin im Namen des türkischen Staates öffentlich bei den Angehörigen des Opfers entschuldigte. (APA)

 

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